MWG-Gruppe übernimmt die mbw-Gruppe

Unternehmensinsolvenzen
© h_lunke – stock.adobe.com

Der Insolvenzverwalter Dr. Dirk Pehl von der Kanzlei Schultze & Braun hat für den ehemaligen Hauptsitz der mbw-Gruppe eine Fortführungslösung erzielt. Die in Wernigerode ansässige MWG-Gruppe übernimmt den Betrieb in Rheinmünster zum 1. Januar 2026. Nach Angaben des Insolvenzverwalters bleiben durch diesen Schritt rund 60 Arbeitsplätze in der Produktion dauerhaft erhalten. Im Bereich der Verwaltung führt die Übernahme jedoch zu einer personellen Anpassung im einstelligen Bereich. Laut Dr. Dirk Pehl war eine Weiterbeschäftigung dieser acht Mitarbeitenden nicht möglich. Die MWG-Gruppe verfüge bereits über eine zentrale Verwaltung an ihrem Hauptsitz in Sachsen-Anhalt. Die Belegschaft in Rheinmünster wurde bereits vor den Weihnachtsfeiertagen über die Entscheidung informiert.

Erweiterung der Produktionskapazitäten

„Nicht nur, aber gerade auch mit dem Blick auf das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel freut es mich sehr, dass wir es geschafft haben, mit der Übernahme des Standorts in Rheinmünster durch die MWG-Gruppe eine Lösung zu finden, mit der der Standort und der Großteil der Mitarbeitenden positiv in die Zukunft schauen können“, sagt Dr. Dirk Pehl. Nach Angaben des Juristen zeugt die Übernahme eines zweiten Standorts vom Vertrauen in das bestehende Geschäftsmodell. Die MWG-Gruppe hatte bereits zum 1. September 2025 das ehemalige Werk der mbw-Gruppe in Sömmerda übernommen. Damit eröffnet der Investor dem Standort Rheinmünster laut dem Insolvenzverwalter eine langfristige Entwicklungsperspektive.

Die MWG-Gruppe plant durch die Integration des neuen Standorts ihre Kapazitäten in der Oberflächenveredelung deutlich auszuweiten. „Wir freuen uns, dass wir nach dem Standort Sömmerda nun auch Rheinmünster übernehmen konnten und heißen unsere neuen Kolleginnen und Kollegen herzlich willkommen“, sagt Daniel Trutwin, Geschäftsführer der MWG-Gruppe. Laut dem Geschäftsführer profitieren sowohl alte als auch neue Kunden von der Expertise der Fachkräfte an den verschiedenen Standorten. Die Anforderungen der Industrie sollen weiterhin mit hoher Qualität erfüllt werden. Die MWG-Gruppe agiert als eigentümergeführtes Unternehmen und ist seit fast 100 Jahren auf die Veredelung metallischer Oberflächen spezialisiert. Nach Angaben des Unternehmens umfasst das Spektrum industrielle Großserien sowie Einzelteile.

Dank für den Einsatz der Belegschaft

Die Geschäftsführung der mbw-Gruppe zeigt sich erleichtert über den Abschluss der Verhandlungen. „Trotz der aktuell schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen erfüllt es mich mit großer Erleichterung und Dankbarkeit, noch vor den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel eine tragfähige und nachhaltige Lösung für den Standort Rheinmünster gefunden zu haben“, sagt Vanessa Schmidt. Dieser Erfolg basiere laut der Geschäftsführerin auf dem Einsatz der Belegschaft und der Treue der Kunden. Nach Angaben von Vanessa Schmidt war die professionelle Zusammenarbeit mit dem Team von Schultze & Braun sowie der Beratung allea consult ein entscheidender Baustein. Das Insolvenzverfahren der Gruppe wurde ursprünglich am 1. März 2025 durch das Amtsgericht Baden-Baden eröffnet.

Bilanz der Sanierungsbemühungen

Mit dem aktuellen Verkauf sind laut dem Insolvenzverwalter für alle wirtschaftlich fortführbaren Standorte Lösungen gefunden worden. Neben Rheinmünster betrifft dies die Werke in Mühlhausen, Sömmerda und Lichtenau. Insgesamt konnten dadurch die Arbeitsplätze von rund 135 Personen erhalten werden. Laut Dr. Dirk Pehl entsprach dies einem Anteil von etwa 42% der ursprünglichen Gesamtbelegschaft von 320 Mitarbeitenden. Für die Standorte in Hartha und Einbeck konnte keine wirtschaftliche Perspektive gefunden werden. „Natürlich wäre es uns auch mit dem Blick auf die gesamte mbw-Gruppe lieber gewesen, alle Standorte und Arbeitsplätze zu erhalten“, sagt Dr. Dirk Pehl. Eine Sanierung war laut seinen Angaben jedoch nur in dieser Form möglich.

Die Zerschlagung der Gruppe in Einzelstandorte war laut dem Verwalter die einzige Alternative zur kompletten Schließung. Die mbw-Gruppe war nach seinen Angaben in der bisherigen Aufstellung an wirtschaftliche Grenzen gestoßen. Der Standort Mühlhausen wird seit September 2025 von der Rieger Metallveredlung weitergeführt. In Lichtenau übernahm die Arthur Henninger GmbH bereits im August 2025 den Geschäftsbetrieb. Der Standort Hartha wurde laut dem Insolvenzbericht zum 31. Oktober 2025 geschlossen. Nach Angaben der Kanzlei wurde der Betrieb in Einbeck bereits zum 31. August 2025 eingestellt. Die nun erfolgte Übernahme in Rheinmünster bildet den Abschluss der wesentlichen Verwertungsschritte. Die mbw-Gruppe bediente primär Kunden aus der Automobilbranche sowie der Elektroindustrie.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

Vorheriger ArtikelEuropas erste Drohnen-Airline