Der Rundstrickmaschinenhersteller Mayer & Cie stellt den Geschäftsbetrieb ein. Nach dem im September eingeleiteten Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung konnte weltweit kein Investor für das Traditionsunternehmen aus Albstadt gefunden werden. Das Amtsgericht Hechingen hat das Insolvenzverfahren mittlerweile eröffnet. Rund 270 Beschäftigte sind betroffen und sollen bis Anfang Februar 2026 freigestellt werden. Dies teilte das Unternehmen am Montag im Rahmen einer Betriebsversammlung mit.
Aufträge werden noch abgearbeitet
Laut Unternehmensangaben sollen bis zur endgültigen Schließung noch offene Aufträge bestmöglich abgearbeitet werden. Anschließend werde ein kleines Team die Abwicklung des Betriebs organisieren. Dazu zählt auch die Verwertung des Maschinenparks, der Immobilien und der Lagerbestände. Die Maßnahme markiert das Ende eines der traditionsreichsten Maschinenbauer der Region und eines ehemaligen Weltmarktführers in der Herstellung von Rundstrickmaschinen.
Kein Investor trotz intensiver Suche
Nach Angaben des Unternehmens wurde bereits im Jahr 2024 ein strukturierter Verkaufsprozess eingeleitet. Dieser sei im Sommer 2025 nochmals ausgeweitet worden. Dennoch sei es nicht gelungen, einen strategischen oder finanziellen Investor zu finden. Generalbevollmächtigter Martin Mucha erklärte: „Trotz intensivster, weltweiter Suche konnten wir keinen Investor finden, der bereit war, in dieses traditionsreiche Unternehmen zu investieren. Bedauerlicherweise ist die Stilllegung nun die unausweichliche Konsequenz.“
Als Ursachen für die Insolvenz nennt das Unternehmen mehrere strukturelle und geopolitische Entwicklungen. Der Umsatz sei im vergangenen Jahr um etwa 50 % eingebrochen, gleichzeitig seien die Kosten erheblich gestiegen. Wichtige Exportmärkte wie die Türkei seien unter Druck geraten. Dort habe die hohe Inflation die Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Textilindustrie stark beeinträchtigt. Zudem hätten staatlich subventionierte Maschinen aus China den Preisdruck auf dem Weltmarkt massiv verschärft. Auch geopolitische Spannungen wirkten sich laut Unternehmen negativ aus. Der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie der Krieg in der Ukraine hätten das Investitionsklima belastet und zu einer deutlichen Nachfrageschwäche geführt.
120 Jahre Unternehmensgeschichte enden
Mayer & Cie wurde 1905 gegründet und entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem führenden Hersteller von Rundstrickmaschinen. Im Jahr 1939 begann das Unternehmen mit der Serienproduktion eigener Maschinen. Im Laufe seiner Geschichte lieferte Mayer & Cie über 70.000 Rundstrickmaschinen aus und galt lange als Weltmarktführer in seinem Segment. Bereits 2009 durchlief das Unternehmen ein Planinsolvenzverfahren, das ein Jahr später erfolgreich beendet wurde. Die aktuelle wirtschaftliche Lage ließ jedoch keine Rettung mehr zu.
Die Schließung von Mayer & Cie trifft die Region hart. Albstadt galt lange als Zentrum der schwäbischen Textilindustrie. Auch andere Hersteller in der Region, wie der ebenfalls in Albstadt ansässige Textilmaschinenbauer Groz Beckert, mussten zuletzt Personal abbauen. Die Marktlage im gesamten Segment gilt als angespannt. Mit dem Aus von Mayer & Cie endet nicht nur ein bedeutendes Kapitel regionaler Industriegeschichte, sondern auch die Ära eines deutschen Weltmarktführers.
Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.







