Im dritten Quartal ist die Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe von Unternehmenskrediten deutlich gestiegen. Wie aus der aktuellen Umfrage zum Bank Lending Survey hervorgeht, berichten mehr Finanzinstitute über eine gestiegene Ablehnungsquote bei Kreditanträgen. Der Saldo der Antworten zeigt, dass 13 % der befragten Banken eine Zunahme der Ablehnungen verzeichneten. In den beiden Vorquartalen lag dieser Wert jeweils nur bei etwa 6 %. Nach Angaben der befragten Institute führt vor allem die schwache gesamtwirtschaftliche Lage zu einer vorsichtigeren Kreditvergabe.
Insbesondere die gestiegenen Kreditrisiken sowie die Auswirkungen internationaler Handelskonflikte – etwa durch US-Zölle – spielen dabei eine Rolle. Zudem tragen die seit drei Jahren zunehmenden Unternehmensinsolvenzen zur Zurückhaltung der Banken bei. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind von dieser Entwicklung besonders betroffen. Ihre Kreditanträge werden häufiger abgelehnt als die von Großunternehmen. Gleichzeitig verfügen sie über deutlich weniger Alternativen zur klassischen Bankfinanzierung. Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen gilt die Kreditpolitik der Banken angesichts der erhöhten Risikolage als nachvollziehbar.
Dienstleistungsbranche mit Schwung
Während der Zugang zu Finanzierungen für Unternehmen erschwert bleibt, zeigt sich der deutsche Dienstleistungssektor zum Quartalsauftakt in starker Verfassung. Der HCOB Dienstleistungsindex erreichte im Oktober 54,6 Punkte und damit den höchsten Stand seit Mai 2023. Auch der Composite Index, der Industrie und Dienstleistungen zusammenfasst, stieg auf 53,9 Punkte. Beide Werte markieren ein 29-Monatshoch. Der Anstieg ist laut Hamburg Commercial Bank auf eine spürbare Belebung beim Neugeschäft zurückzuführen. Diese Entwicklung führte erstmals seit drei Monaten wieder zu einem Beschäftigungsplus. Besonders auffällig ist die Zunahme von Auftragsrückständen. Diese wurden erstmals seit über 18 Monaten wieder gemeldet, wenn auch in moderatem Umfang. Der daraus resultierende Kapazitätsdruck führte dazu, dass viele Dienstleister neues Personal einstellten.
Inflationäre Tendenzen bleiben
Mit der gestiegenen Nachfrage hat sich auch der Inflationsdruck im Dienstleistungssektor verstärkt. Die Angebotspreise wurden im Oktober so deutlich erhöht wie zuletzt vor acht Monaten. Auch die Kosteninflation nahm weiter zu. Ursache hierfür sind vor allem gestiegene Löhne und Gehälter. Die Teuerungsrate bei den Kosten legte den dritten Monat in Folge überdurchschnittlich zu und erreichte das höchste Niveau seit April. Trotz der positiven Geschäftsentwicklung bleibt der Optimismus im Dienstleistungsgewerbe gedämpft. Der Zukunftsindex lag zwar über dem langfristigen Durchschnitt, blieb jedoch unter dem Wert vom Vormonat. Laut HCOB-Volkswirt Nils Müller zeugt dies von anhaltender Unsicherheit in einem insgesamt positiven Marktumfeld. Die Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen sei dennoch intakt.
Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.





