KfW warnt vor wirtschaftlichen Klimafolgen

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Die globale Erwärmung schreitet voran und belastet die Wirtschaft zunehmend. Nach Analysen von KfW Research lag die globale Durchschnittstemperatur im Jahr 2024 bereits 1,6 °C über dem vorindustriellen Niveau. Damit wurde erstmals die kritische Grenze des Pariser Klimaschutzabkommens überschritten. Nach Angaben der Autoren ist bei Fortsetzung der derzeitigen Klimapolitik bis zum Jahr 2100 mit einer Erwärmung von 2,8 °C zu rechnen. In Deutschland ist die Temperatur seit 1881 bereits um etwa 2,5 °C gestiegen.

Die ökonomischen Folgen dieser Entwicklung sind laut dem Bericht massiv. Weltweit summierten sich die Schäden durch Extremwetterereignisse zwischen 2000 und 2024 auf über 3,8 Bio. USD. Nach Angaben der KfW Bankengruppe haben sich diese Kosten in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Für Deutschland beziffert die Analyse die Schäden zwischen 1980 und 2023 auf insgesamt 180 Mrd. EUR. Laut der Katastrophendatenbank EM-Dat entfällt mehr als die Hälfte der globalen Schadenssumme auf Stürme. Gut ein Viertel der Kosten resultiert aus Überschwemmungen. Als teuerste Naturkatastrophe nennt der Bericht die Waldbrände in Los Angeles im Januar 2025 mit einem Gesamtschaden von 53 Mrd. USD.

Betroffenheit deutscher Unternehmen

Nach Ergebnissen des KfW-Klimabarometers spüren viele Firmen in Deutschland bereits die Auswirkungen. Laut der Umfrage berichten 21% aller Unternehmen von negativen Folgen des Klimawandels. Besonders stark betroffen sind laut den Daten die Großunternehmen. Hier geben 74% der Firmen an, Beeinträchtigungen zu erfahren. Nach Angaben der KfW liegt ein Grund in der starken internationalen Vernetzung dieser Akteure. Sie leiden unter globalen Lieferkettenstörungen und Ausfällen bei Handelspartnern. Laut der Analyse sind zudem 31% der energieintensiven Unternehmen betroffen. Diese reagieren sensibel auf niedrige Flusspegel oder eingeschränkte Kühlwassernutzung.

Risiken für Handelsketten und Infrastruktur

Neben direkten Sachschäden wirken sich laut dem Bericht vor allem indirekte Faktoren aus. Nach Angaben der Autoren Anke Brüggemann und Johannes Rode beeinträchtigen Wetterextreme die Energie- und Transportinfrastruktur. Laut der Studie führten beispielsweise Hochwasserfolgen in Slowenien im Jahr 2023 dazu, dass die Volkswagen AG 150.000 Fahrzeuge nicht produzieren konnte. Nach Angaben der Autoren ist ein wichtiger Zulieferer ausgefallen. Laut dem Bericht stellt ein ungebremster Klimawandel ein erhebliches Risiko für den zukünftigen wirtschaftlichen Wohlstand dar. Neben lokalen Gefahren ist Deutschland aufgrund seiner Handelsverflechtungen den Risiken in anderen Weltregionen ausgesetzt. Nach Analysen des XDI Gross Domestic Climate Risk Report weisen vor allem Wirtschaftszentren in China, den USA und Indien hohe materielle Schadensrisiken auf.

Notwendigkeit von Klimaschutz

Laut der KfW sind ambitionierter Klimaschutz und frühzeitige Anpassungsmaßnahmen erforderlich. Nach Angaben der Experten könnten globale Wohlfahrtsverluste bei einer Erwärmung von 2 °C bis zum Jahr 2100 auf über 30% steigen. Laut der Studie liegen die sozialen Kosten einer Tonne CO2 bei rund 1.000 EUR. Nach Angaben der Autoren übersteigt der Nutzen vermiedener Schäden die heutigen Vermeidungskosten deutlich. Der Bundesnachrichtendienst stuft die Folgen des Klimawandels als eine der fünf größten externen Bedrohungen für Deutschland ein. Laut dem Bericht können Unternehmen durch baulichen Schutz, Elementarversicherungen und höhere Lagerbestände vorsorgen. Nach Angaben der KfW ist zügiges Handeln entscheidend, da CO2 über Jahrhunderte in der Atmosphäre verweilt. Anpassungsmaßnahmen wie Hitze- und Hochwasserschutz sind laut der Analyse für Staat und Wirtschaft unerlässlich.

 

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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