Innovative mittelständische Unternehmen stehen vor signifikanten Schwierigkeiten beim Zugang zu Investitionskrediten für Sachanlagen. Eine aktuelle Analyse von KfW Research belegt, dass diese Firmen eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit haben, bei Kreditverhandlungen zu scheitern. Innovative Mittelständler sind mit einem Plus von 7 Prozentpunkten stärker betroffen als herkömmliche Unternehmen. Bei digitalisierungsaktiven Betrieben liegt dieser Wert bei gut 3 Prozentpunkten. Laut Dr. Volker Zimmermann müssten diese Unternehmen eine wesentlich bessere Bonität vorweisen, um die Nachteile auszugleichen. Dies ist in der Praxis jedoch häufig nicht der Fall.
Risiken und fehlende Sicherheiten
Die Ursachen für die Ablehnungen liegen vor allem in den schwer kalkulierbaren Risiken von Neuerungen. Diese Projekte erhöhen das gesamte Unternehmensrisiko und erschweren externen Geldgebern die Beurteilung der Erfolgsaussichten. Ein weiteres Kernproblem ist die Verschiebung von materiellen zu immateriellen Investitionen. Innovative Firmen investieren vermehrt in Know-how, Patente oder Markenrechte. Da diese immateriellen Werte bislang nicht als bankübliche Kreditsicherheiten etabliert sind, stehen den Unternehmen weniger Sicherheiten zur Verfügung. Nach Angaben der Studie entfallen bei Innovationsvorhaben lediglich 24% der Ausgaben auf klassische Sachanlagen.
Einfluss von Bonität und Unternehmensgröße
Die Bonität bleibt die zentrale Größe für die Kreditwürdigkeit. Auf einer Skala von 100 bis 600 Indexpunkten der Creditreform bedeutet ein Wert von 100 die beste Einstufung. Die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns steigt bei einer Verschlechterung der Bonität von 100 auf 400 Punkte massiv an. Um den Malus der Innovationsaktivität zu kompensieren, müsste die Bonität eines Innovators um 43 Indexpunkte höher liegen als bei einem nicht-innovativen Unternehmen. Dies entspricht fast einer vollständigen Bonitätsklasse. Zudem haben kleine und junge Unternehmen grundsätzlich schwereren Zugang zu Kapital.
Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind diese Unternehmen besonders wertvoll, da sie den strukturellen Wandel vorantreiben und überdurchschnittlich zum Wachstum beitragen. Die KfW sieht daher Handlungsbedarf bei der Wirtschaftspolitik. Mögliche Ansätze sind die Stärkung der Unternehmensbonität sowie die Förderung der Besicherung durch immaterielle Vermögenswerte. Hierzu müssten bürokratische Hürden bei der Registrierung von Patenten abgebaut und die aufsichtsrechtliche Behandlung solcher Sicherheiten angepasst werden. Auch der geringe Entwicklungsstand der Technologiemärkte in Deutschland wird als Hemmnis angeführt.







