Investorensuche bei MAFO Systemtechnik AG gestartet

(© fotolia/Nomad_Soul)
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Die MAFO Systemtechnik AG aus Teisendorf hat beim zuständigen Amtsgericht Traunstein einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Gericht bestellte daraufhin Rechtsanwalt Michael Verken von der Kanzlei Anchor zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Laut einer Mitteilung des Unternehmens läuft der Geschäftsbetrieb des oberbayerischen Traditionsunternehmens trotz des eingeleiteten Verfahrens vollumfänglich und ohne Einschränkungen weiter.

Stabilisierung des Geschäftsbetriebs

Nach Angaben von Michael Verken hat sich der vorläufige Insolvenzverwalter unmittelbar nach seiner Bestellung ein Bild der Lage vor Ort gemacht. Er informierte die Belegschaft über die aktuellen Entwicklungen. „Unser oberstes Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb stabil zu halten und eine langfristige Perspektive für diesen technologisch hochkompetenten Standort zu entwickeln“, erklärt Michael Verken. Die 97 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden bereits über die weiteren Schritte unterrichtet. Ihre Löhne und Gehälter sind für die kommenden Monate durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Nach Angaben der Insolvenzverwaltung bleibt die Auftragslage derzeit stabil. Die Produktion am Standort wird planmäßig fortgeführt. „Die vorhandene Substanz und das Know-how der Mitarbeiter bilden eine hervorragende Basis für die nun anstehende Sanierung“, betont Michael Verken.

Leistungsspektrum und Marktposition

Die MAFO Systemtechnik AG spezialisiert sich als mittelständisches Industrieunternehmen auf die Metallverarbeitung und den Sondermaschinenbau. Das Unternehmen deckt laut Eigenbeschreibung den gesamten Entstehungsprozess eines Bauteils oder einer Maschine ab. Dies umfasst eine eigene Gießerei sowie die hochpräzise mechanische CNC-Fertigung. Zum Portfolio gehören zudem komplexe Schweißbaugruppen und die Montage elektromechanischer Systeme. Der Betrieb beliefert namhafte Kunden in Branchen wie dem Windkraftanlagenbau und der Fahrzeugindustrie. Im Jahr 2024 erwirtschaftete die Aktiengesellschaft einen Jahresumsatz von rund 15,3 Mio. EUR. Eine Besonderheit bildet das Modell der Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmen.

Ursachen der wirtschaftlichen Krise

Die Gründe für den Gang zum Insolvenzgericht sind nach Angaben des Unternehmens vielschichtig. Neben der allgemeinen industriellen Schwäche belasteten erhebliche Preissteigerungen bei den Betriebskosten die Liquidität. Zudem führte ein Sanierungsverfahren bei einem vormaligen Hauptkunden zu einem signifikanten Umsatzrückgang. Dieser Kunde verlagerte wesentliche Geschäftsaktivitäten in das Ausland. In der Folge musste die Firma im Geschäftsjahr 2025 erstmals seit über 20 Jahren einen Verlust ausweisen. Trotz dieser Herausforderungen setzt das Management weiterhin auf zertifizierte Qualität nach ISO 9001.

Suche nach strategischen Partnern

Michael Verken
Michael Verken

In den kommenden Wochen leitet die Insolvenzverwaltung einen strukturierten Investorenprozess ein. Ziel ist die Findung eines strategischen Partners für die MAFO Systemtechnik AG. „Wir suchen einen Investor, der die Marktbedeutung und die technologische Expertise der MAFO erkennt“, sagt Michael Verken. Der Investor soll den Weg in die Zukunft gemeinsam mit der Belegschaft gehen. Der Insolvenzverwalter zeigt sich zuversichtlich für eine nachhaltige Lösung. Diese soll den Gläubigern und dem Erhalt der Arbeitsplätze in der Region gerecht werden. Anchor ist ein Hybrid aus Anwaltskanzlei und Unternehmensberatung. Mit 15 Standorten und über 190 Mitarbeitern in den Bereichen Insolvenz und Sanierung gehört die Kanzlei deutschlandweit zu den großen Restrukturierungseinheiten.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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