Industrie unter Druck

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
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Die deutsche Wirtschaft steht zum Jahresende 2025 unter erheblichem Druck. Drei aktuelle Indikatoren zeichnen ein belastetes Bild für Industrie und Konsum. Neben einer deutlichen Zunahme von Materialengpässen verzeichnen Industrieunternehmen sinkende Auftragseingänge. Gleichzeitig bleibt die Verbraucherstimmung auf einem historischen Tiefstand.

Problematische Materialbeschaffung

Laut einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts berichten 11,2 % der Industriebetriebe von Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung. Besonders betroffen ist die Automobilbranche: 27,6 % der Unternehmen kämpfen mit Engpässen bei Vorprodukten. Im Oktober lag der Anteil noch unter 1 %. Auch Hersteller elektronischer und optischer Produkte sowie elektrischer Ausrüstungen melden eine spürbare Verschärfung der Lage. Im langfristigen Vergleich liegt der aktuelle Wert deutlich über dem Vorkrisenniveau. Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen, warnt: „Die fehlenden Halbleiter verschärfen die bereits schwierige Situation der Industrie.“

Geschäftsklima eingetrübt

Parallel dazu hat sich das Geschäftsklima in der Industrie erneut eingetrübt. Der HCOB Einkaufsmanagerindex Deutschland fiel im November auf 48,2 Punkte – der niedrigste Stand seit neun Monaten. Damit bleibt der Index weiter unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Hauptgrund ist der starke Rückgang bei Auftragseingängen, insbesondere im Ausland. Die Nachfrage aus Asien, Europa und Nordamerika sank im vierten Monat in Folge. Die Produktion wurde zwar fortgesetzt, beruhte jedoch zunehmend auf dem Abbau vorhandener Aufträge. Gleichzeitig reduzierten Unternehmen Beschäftigung und Einkaufsvolumen. Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert: „Die Schwelle zur Expansion zu überspringen, scheint der deutschen Industrie verwehrt zu sein.“ Die Unternehmen produzierten zwar weiter, doch Auftragseingänge, Beschäftigung und Lagerbestände spiegeln eine anhaltende Schwäche wider.

Konsumbarometer sinkt

Hinzu kommt eine gedämpfte Konsumstimmung. Das aktuelle Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland (HDE) zeigt für Dezember den niedrigsten Stand seit Jahresbeginn. Die Kaufzurückhaltung nimmt zu, die Sparneigung steigt. Die Erwartungen an die Gesamtwirtschaft sinken erneut und deuten auf ein verhaltenes Weihnachtsgeschäft hin. Zwar zeigen sich die Einkommenserwartungen der Verbraucher leicht verbessert, doch reicht dies nicht aus, um die Konsumlaune spürbar zu heben. Laut HDE ist 2025 mit Blick auf den privaten Konsum ein verlorenes Jahr. Die Lage zum Jahresende 2025 ist damit geprägt von verhaltenem Wachstum, strukturellen Herausforderungen in der Industrie und fehlenden Impulsen vom Binnenkonsum. Die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung zum Jahreswechsel scheinen sich vorerst nicht zu erfüllen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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