Energiepreisschock bremst deutsches Kreditneugeschäft

Unternehmenskredite immer gefragter
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Deutsche Banken meldeten zum Jahresende 2025 eine deutliche Verlangsamung bei der Vergabe von Neukrediten. Das Wachstum des geschätzten Kreditneugeschäfts sank laut KfW Research im vierten Quartal auf 1,4% im Vergleich zum Vorjahr. Im vorangegangenen Quartal lag dieser Wert nach Angaben der Institution noch bei 1,9%. Als Hauptgrund für diese Entwicklung nennt die KfW Bankengruppe die rückläufigen Unternehmensinvestitionen. Diese seien im vierten Quartal nominal um 1,8 % gesunken. Die Unternehmen bewerten das konjunkturelle Umfeld offenbar weiterhin als fragil. Insbesondere bei Ausrüstungsinvestitionen hielten sich die Betriebe nach Einschätzung der Analysten merklich zurück. Zudem dämpfe die Eskalation im Nahen Osten die allgemeine Kreditdynamik massiv. Die Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise auf die deutsche Wirtschaft seien derzeit nur schwer absehbar. Dies führe zu einem höchst unsicheren Ausblick für den gesamten Kreditmarkt.

Auswirkungen der hohen Energiekosten

Der aktuelle Energiepreisschock beeinflusst die Nachfrage nach Finanzierungen auf unterschiedliche Weise. Laut der Autorin Jenny Körner zeigt sich hierbei ein zweigeteiltes Bild. Intensiv betroffene Firmen benötigen zusätzliche Liquidität zur Deckung gestiegener Kosten für Energie und Vorprodukte. Andere Unternehmen sehen aufgrund der Unsicherheit bewusst von einer zusätzlichen Verschuldung ab. Die KfW Research geht davon aus, dass die Öl- und Gaspreise längere Zeit hoch bleiben. Grund hierfür sei die Beschädigung von Produktionskapazitäten in der Golfregion. Die Realwirtschaft werde dadurch spürbar belastet. Nach Angaben der Experten wächst das deutsche Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr voraussichtlich nur um 0,9%. Dies sei deutlich weniger als noch Anfang Februar prognostiziert wurde. Ein Investitionsboom ist nach Ansicht der Bank vorerst nicht zu erwarten.

Entwicklung der Zinsen und Margen

Die durchschnittlichen Kreditzinsen für Unternehmen sanken im Februar nur minimal auf 3,6%. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank und der KfW Research stiegen die Kapitalmarktzinsen jedoch zuletzt wieder an. Treiber für die höheren Refinanzierungskosten der Banken seien vor allem steigende Inflationserwartungen. Zusätzlich verlangen die Institute laut dem Bericht höhere Margen zur Risikovorsorge. In früheren Krisenjahren wie 2008 oder 2022 weiteten die Banken ihre Margen aufgrund der Unsicherheit schlagartig aus. Aktuell sei erneut mit einer Anhebung der Risikoprämien beim Neugeschäft zu rechnen. In der Summe dürften die höheren Zinsen und ausgeweiteten Margen das Neugeschäft vorerst bremsen. Die Finanzierungsbedarfe der Unternehmen nahmen im vierten Quartal zwar leicht zu. Dies führte laut der Deutschen Bundesbank jedoch nicht zu mehr tatsächlichen Kreditabschlüssen.

Verschärfte Bedingungen bei Kreditvergabe

Unternehmen berichteten laut der KfW-ifo-Kredithürde von erneut verschärften Restriktionen im Kreditprozess. Diese Angebotsbeschränkungen erscheinen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht jedoch angesichts der gestiegenen Ausfallrisiken verhältnismäßig. Eine Abkehr vom restriktiven Kurs der Banken rückt laut dem Bericht in weite Ferne. Erst bei einer Rückkehr zu einem stabilen Wachstumspfad sei eine Entspannung zu erwarten. Das Neugeschäft könnte ab dem zweiten Quartal 2026 durch den Liquiditätsbedarf wieder an Fahrt gewinnen. Die KfW Research betont jedoch die schwierige Prognose aufgrund multipler Unsicherheitsfaktoren. Für das Gesamtjahr 2026 wird lediglich eine Stagnation der Unternehmensinvestitionen erwartet. Damit fallen diese als stabiler Motor für das Kreditgeschäft vorerst aus. Ein nachhaltiger Impuls hänge von einer schnellen Entspannung der geopolitischen Lage ab.

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Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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