Beteiligungsmarkt trotzt der Krise: Investoren in Wartestellung

Foto: © Funtap_AdobeStock
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Auf dem deutschen Markt für Private Equity hat sich die Stimmung der Investoren seit Ende des vergangenen Jahres kaum verändert. Nach Angaben von KfW Research und dem Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) stieg der entsprechende Geschäftsklimaindikator im ersten Quartal 2026 nur minimal an. Die Stimmung verharrt damit weiterhin auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Während sich die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage leicht verschlechterte, legten die Erwartungen für die kommenden sechs Monate spürbar zu„Die Stimmung auf dem deutschen Private-Equity-Markt hat sich im ersten Quartal 2026 zum Vorquartal kaum verändert“ , sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. „Das könnte aber sogar eine gute Nachricht sein, angesichts des als Folge des Iran-Kriegs deutlich verschlechterten makroökonomischen Umfelds. Die Meldungen aus dem Nahen Osten dürften maßgeblich die Entwicklung der Investorenstimmung im Jahresverlauf bestimmen, ich rechne daher auf absehbare Zeit mit einer hohen Volatilität des Geschäftsklimas.“

Geopolitische Belastungen

Das makroökonomische Umfeld hat sich nach den vorliegenden Berichten im ersten Quartal dieses Jahres erheblich eingetrübt. Durch den kriegerischen Konflikt im Iran kletterten die Energiepreise weltweit nach oben. Vor diesem Hintergrund gelten Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank zur Bekämpfung der Inflation im weiteren Jahresverlauf als wahrscheinlich. Experten erwarten dadurch eine spürbare Verschlechterung der Konditionen für Akquisitionsfinanzierungen sowie eine Eintrübung der allgemeinen KonjunkturTrotz dieser schwierigen Aussichten zeigten sich die Teilindikatoren für das Zinsklima und die Finanzierungskonditionen paradoxerweise verbessert. Auch das Konjunkturklima legte trotz der bestehenden Sorgen im Vergleich zum Vorquartal zu. Ulrike Hinrichs, Vorstandssprecherin des BVK, äußert sich zur aktuellen Situation auf dem Markt : „Geschäftsklima und Stimmung im deutschen Private-Equity-Markt befinden sich weiterhin in Wartestellung. Angesichts des Iran-Kriegs, steigender Energiepreise, konjunktureller Sorgen und drohender Zinserhöhungen ist dies auch wenig verwunderlich“.

Kräftige Erholung bei den Exitmöglichkeiten

Ein deutlicher Aufwärtstrend zeigte sich im ersten Quartal 2026 bei den Exit-Möglichkeiten für Beteiligungsgesellschaften. Der entsprechende Indikator schnellte nach oben, was eng mit der historischen Korrelation zum Konjunkturklima zusammenhängt. Vor allem die Teilbereiche der Trade-sales und der Secondaries verzeichneten massive Zuwächse. Das Klima für Börsengänge legte zwar ebenfalls leicht zu, verbleibt jedoch weiterhin in einem sehr frostigen BereichGleichzeitig ging die Investitionsbereitschaft der Akteure im Segment der etablierten Unternehmen etwas zurück. Trotz dieses Rückgangs liegt der Wert im langjährigen Vergleich immer noch auf einem soliden Niveau. Große Zufriedenheit herrscht zudem weiterhin mit den Einstiegspreisen bei Neuengagements. Weniger optimistisch blicken die Spätphaseninvestoren dagegen auf den aktuellen Dealflow und die Entwicklung beim Fundraising.

BVK-Vorstandssprecherin Ulrike Hinrichs sieht dennoch eine tragfähige Basis für die nächsten Monate : „Positiv zu bewerten ist jedoch, dass sich die Investoren mit Blick auf Fundraising und Exits wieder optimistischer zeigen. Zusammen mit der anhaltend hohen Investitionsbereitschaft und attraktiven Bewertungsniveaus ist dies eine gute Basis für den weiteren Jahresverlauf. Entscheidend wird sein, dass geopolitische Risiken und wirtschaftspolitische Unsicherheiten die Erholung nicht ausbremsen.“

VC-Klima stabilisiert sich

Auf dem deutschen Markt für Venture Capital hat sich das Geschäftsklima nach dem vorherigen Einbruch zum Jahresstart ebenfalls stabilisiert. Laut den Auswertungen stieg der Stimmungsindikator im ersten Quartal leicht an, bleibt aber deutlich unterkühlt. Diese leichte Erholung beruht ausschließlich auf einer verbesserten Einschätzung der aktuellen Geschäftslage durch die Frühphaseninvestoren. Die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate bewegten sich hingegen eher seitwärts. Das deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer kurzfristig nicht von einer wesentlichen Besserung der Lage ausgehen.

Das makroökonomische Umfeld belastet den Venture-Capital-Sektor spürbar. Die Schließung der Straße von Hormus führte zu massiv steigenden Preisen für Öl und Erdgas. Dieser Preisschock treibt die Inflation an, weshalb zwei Leitzinsanhebungen durch die Europäische Zentralbank bis Ende 2026 erwartet werden. Das Zinsklima verschlechterte sich infolgedessen erheblich, insbesondere aufgrund negativerer Erwartungen der Investoren. Auch das Konjunkturklima gab im Zuge der geopolitischen Krise weiter nach.

Wechselhaftes VC-Fundraising

Das Fundraisingklima zeigte sich im ersten Quartal überraschend stark verbessert und setzte seine volatile Entwicklung fort. Aufgrund der drohenden Zinsanhebungen wird jedoch mit einer baldigen Verschlechterung in den kommenden Quartalen gerechnet. Das Exitumfeld für junge Unternehmen bleibt derweil tief im roten Bereich. Während sich die Stimmung zu Trade-sales und Börsengängen kaum veränderte, brach das Klima für Secondaries dramatisch ein. Hier belastet die wachsende Sorge vor einer Disruption von Software-Geschäftsmodellen durch Künstliche Intelligenz die Bewertungen.

Der Wertberichtigungsdruck veränderte sich im ersten Quartal zwar kaum, doch die Erwartungskomponente brach deutlich ein. Die Frühphaseninvestoren stellen sich somit auf steigende Wertberichtigungen in den kommenden sechs Monaten ein. Bei den Neuinvestitionen deutet die Schere zwischen verbesserter Lage und sinkenden Erwartungen auf eine nachlassende Investitionstätigkeit hin. Auch die Zufriedenheit mit den Einstiegsbewertungen sank folglich. Demgegenüber konnten die Indikatoren für die Qualität, Quantität und Innovationskraft des Dealflows ihr hohes Niveau halten oder verbessern. Insgesamt stand zum Jahresstart auf dem Venture-Capital-Markt ein stabiles Dealvolumen von 1,7 Mrd. EUR zu Buche.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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