Insolvenzwelle trifft Energieversorger

Insolvenzwelle trifft Energieversorger
Bildquelle: Adobe Stock; © vovan

Nachdem es seit rund einem Monat immer häufiger Meldungen über Insolvenzen im Automotive-Sektor in Deutschland gab, schwächelt nun auch der Sektor der Energieversorger. Während die Materialengpässe insbesondere bei Computer-Chips den Automobilzuliefern zu schaffen machen, so leiden einige Unternehmen der Energiebranche unter den stark steigenden Einkaufspreisen – insbesondere beim Erdgas.

Die Lition Energie GmbH versorgte bislang in Berlin rund 20.000 private Kunden mit Ökostrom und Gas und hat nun Anfang des Monats Insolvenz anmelden müssen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case bestellt. Mitte Oktober hatte es bereits die Otima Energie AG aus Brandenburg erwischt. Die Strom- und Erdgaslieferungen an die knapp 500 Kunden wurden bereits eingestellt. Hier wurde Rüdiger Wienberg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Das Unternehmen nennt auf seiner Website als Gründe für die Insolvenz die massiv gestiegenen Großhandelspreise für Erdgas, die sich innerhalb kürzester Zeit vervierfacht hätten. Weiterhin habe es verstärkte Forderungen nach Vorauskasse- und Sicherheitsleistungen gegeben. Bei Unternehmen in Krisensituation ist das nicht unüblich und beschleunigt oftmals den Absturz in die Insolvenz.

Energieversorger leiden unter Preissteigerungen

Das Hamburger Energieunternehmen „Smiling Green Energy“ hatte kurz zuvor ebenfalls Insolvenz anmelden müssen. Unter der Marke „Natürlich-grün-Strom“ belieferte es rund 1.500 private und gewerbliche Kunden mit Energie. Das Hamburger Amtsgericht bestellte nach dem Antrag Tobias Brinkmann von der Insolvenzkanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Seiner Ansicht nach sei der rasante Anstieg der Energiepreise die Ursache für die Schieflage des Unternehmens. Brinkmann äußerte in einem Pressestatement die Befürchtung, dass weitere Unternehmen der Energieversorgungsbranche von der aktuellen Situation bedroht seien. Der Branchendienst „energate“ hat weitere Energieversorger identifiziert, die akut von einer Krise bedroht seien. So sieht er Envitra aus Sachsen-Anhalt sowie den Münchener Öko-Energie-Anbieter Buzzn als gefährdet. Angesichts des Gesamtmarktes ist allerdings noch keine größere Versorgungskrise in Sicht. Immerhin teilen sich in Deutschland rund 1.100 Strom- und gut 900 Gasversorger den Markt.

Anders im benachbarten Tschechien, wo es auch eine Pleite gab: Der größte alternative Anbieter von Strom des Landes verkündete sein Aus. Das Unternehmen „Bohemia Energy“ hatte rund 900.000 Kunden – somit ist fast jeder zehnte Tscheche von dieser Insolvenz betroffen.

Der Kreditversicherer Euler Hermes hat erst kürzlich in einer Analyse ermittelt, dass es ein deutlich gestiegenes Insolvenzrisiko für kleinere Versorger insbesondere in Deutschland und Großbritannien gibt. Einige Versorger reagieren auf die veränderte Lage inzwischen mit kräftigen Preiserhöhungen. Nach Ansicht von Experten seien einige Unternehmen gegen starke Schwankungen bei den Einkaufspreisen nicht ausreichend abgesichert.

Autorenprofil
Alexander Görbing

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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