„Es geht mir um das Bewahren unserer demokratischen Werte“

Interview mit dem Schauspieler und Buchautor Christian Berkel

Wir sprachen mit dem bekannten deutschen Schauspieler und Buchautor Christian Berkel darüber, was ihn vor und hinter der Kamera bewegt.
Foto: © Gerald von Foris

Christian Berkel ist ein bekannter deutscher Schauspieler, aber auch ein mitreißender Erzähler. Gerade ist sein Roman „Ada“ als Taschenbuch erschienen. Der gebürtige Westberliner erzählt darin seine bewegte Familiengeschichte. Wir sprachen mit dem 64-Jährigen darüber, was ihn vor und hinter der Kamera bewegt. INTERVIEW EVA RATHGEBER

Unternehmeredition: Vom Bundeskanzler über den Widerstandskämpfer bis hin zum homosexuellen Fußballer – Ihr Rollenrepertoire ist riesig. Auf welche Ihrer Darstellungen sind Sie besonders stolz?

Christian Berkel: Stolz ist vielleicht das falsche Wort, weil man bei sich selbst eher die Fehler sieht. Was gelingt, beschäftigt einen weniger, es ist sowieso nicht wiederholbar; an allen anderen Dingen kann man arbeiten. Aber es war immer mein Ziel, mich so wenig wie möglich zu wiederholen – insofern bin ich dankbar für alle Wandlungsmöglichkeiten.

Sie haben mit „Der Kriminalist“ auch einen Hauptkommissar gespielt. Warum ist eine solche Rolle für die Resonanz beim Publikum immer so prägend?

Serien sind eine regelmäßige Verabredung mit dem Publikum, eine Art Jour fixe, man wird zum immer wiederkehrenden Gast in vielen Wohn- und Schlafzimmern.

Welches war der größte Moment in Ihrer Schauspielkarriere?

Immer der, der vor mir liegt. Ich blicke nicht so sehr zurück.

Sie sind Enkel eines Schriftstellers und Großneffe einer französischen Modeschöpferin. Kommt daher Ihre künstlerische Ader?

Vielleicht, aber den größten Einfluss hatte gewiss meine Mutter. Sie hat mir die Liebe zur Literatur, zur Musik, zur Malerei und zum Theater geschenkt. Die Kunst war, bei aller Verschiedenheit unserer Charaktere, der Ort, an dem wir uns immer begegnen konnten, an dem wir uns wortlos verstanden.

Am 30. August ist Ihr Roman „Ada“ als Taschenbuch erschienen. Darin geht es um eine vielschichtige junge Frau, die aus dem Schweigen der Elterngeneration heraustritt. Wie viel Christian Berkel steckt in „Ada“?

Foto: © Ullstein

Ada setzt sich, wie alle meine Figuren, aus verschiedenen Menschen zusammen. Man sagt, es braucht eine Bibliothek, um einen Roman zu schreiben, und ein Dorf für jede einzelne Figur. Ich würde hinzufügen: und ein Leben, um beides kennenzulernen. Insofern ist Ada wahrscheinlich eine Mischung der Frauen, denen ich begegnet bin, und meiner eigenen weiblichen Anteile, ohne die ich nur ein halber Mensch wäre.

Sie engagieren sich gegen Kinderarmut, Rassismus, Antisemitismus …

Foto: © Gerald von Foris

Es geht mir um das Bewahren unserer demokratischen Werte. Die Demokratie ist historisch eine sehr junge Staatsform. Wir sollten sie nicht für selbstverständlich halten. Wenn uns an der Freiheit gelegen ist, dürfen wir nicht vergessen, dass es dabei zuerst um die Freiheit der anderen geht. Die Barbarei der Nazis liegt nicht weit zurück. Eine Gesellschaft, in der einzelne Gruppen unterdrückt oder nicht respektiert werden, wird am Ende niemanden respektieren und alle unterdrücken. Wenn wir das nicht wollen, müssen wir für unsere Überzeugungen eintreten.

Haben Sie je daran gedacht, Unternehmer zu werden?

Meine Frau und ich haben eine gemeinsame Filmproduktion, mit der wir eigene Wunschprojekte entwickeln, um sie im ersten Schritt mit etablierten Produzenten zu realisieren und irgendwann einmal vielleicht allein. Der erste Film wird 2022 gedreht, zusammen mit der Produktion Claussen+Putz.

Wir danken Ihnen für das interessante Gespräch.


ZUR PERSON

Foto: © Gerald von Foris

Der deutsche Schauspieler Christian Berkel spielte in mehreren nationalen und auch internationalen Produktionen mit, darunter „Der Untergang“ von 2004 und „Inglourious Basterds“ von 2009. 2018 veröffentlichte Berkel sein Romandebüt „Der Apfelbaum“ und 2020 den Roman „Ada“. In beiden Büchern geht der 1957 geborene Westberliner seiner eigenen Familiengeschichte auf den Grund. Seine Mutter ist Jüdin, weswegen Berkels Eltern erst nach dem Krieg heiraten konnten. Berkel selbst ist seit 2011 mit der Schauspielerin Andrea Sawatzki verheiratet. Das Paar hat zwei gemeinsame Söhne. Hier finden Sie Christian Berkel auf Instagram.

 

Das Interview erscheint in der Rubrik „7 Fragen an…“ in der Unternehmeredition 3/2021.