Creditshelf-Chef Bartsch: „Unser Vorteil ist ganz klar die Geschwindigkeit“

Dr. Daniel Bartsch, Gründungspartner und Vorstand der creditshelf AG Copyright © Fabian Hensel Photography

Die creditshelf AG gestaltet seit 2014 digitale Finanzierungen für den Mittelstand – einfach, schnell, innovativ. Denn die Kreditentscheidungen erfolgen auf Basis einer selbst entwickelten technologiegestützten Analyse. Unternehmeredition-Redakteur Alexander Görbing sprach mit Dr. Daniel Bartsch, Vorstand der creditshelf AG, über die Chancen und Risiken angesichts der aktuellen Corona-Krise für den Kreditmarkt.

Unternehmeredition: Haben Sie seit dem Ausbruch der Corona-Krise in Deutschland – also seit Anfang März 2020 – ein gestiegenes Aufkommen an Nachfragen durch (neue) Kunden?
Bartsch:
Momentan befinden wir uns durch die Corona-Krise in einer absoluten Sondersituation. Mittelständische Unternehmen sind stark verunsichert und wir erhalten aktuell sehr viele Anfragen, sowohl von Bestands- aber auch von Neukunden.

Welche Chancen und Risiken sehen Sie aufgrund dieser Entwicklung für Ihr Unternehmen?
Aktuell ist die deutsche Wirtschaft stark von den Einschränkungen im täglichen Leben betroffen. Das gilt für alle Unternehmen, aber auch für deren Finanzierungspartner. Von daher ist es für eine abschließende Analyse noch zu früh. Zunächst gilt es, kurzfristig für Liquidität zu sorgen und die Unternehmen vor der Insolvenz zu bewahren. Wir stehen im engen Austausch mit unseren Kunden und unterstützen mit flexiblen Lösungen.

Mittelfristig sind wir aber überzeugt, dass ein digitales Angebot wie unseres, bei dem der ganze Kreditprozess online abgewickelt werden kann, auch Chancen bietet. Viele erkennen, dass Digitalisierung funktioniert – das gilt nicht nur für das Homeoffice, sondern auch für die Unternehmensfinanzierung.

Wo sehen Sie in der aktuellen Situation die Vorteile für Kunden, wenn sie sich an Sie wenden?
Unser Vorteil ist ganz klar Geschwindigkeit. Unsere Kunden bekommen in der Regel innerhalb von 48 Stunden eine Aussage, ob es weitergeht und eine Indikation zu den Konditionen. Das ist für die Unternehmen in der aktuellen Situation Gold wert. Darüber hinaus gilt es nun auch den Blick nach vorne zu richten und Zukunftsinvestitionen zu finanzieren. Auch hier stehen wir mit passenden Lösungen und Kapital zur Seite.

Glauben Sie, dass sich der Kredit- und Finanzierungsmarkt durch die aktuelle Krise mittel- und langfristig verändern wird?
Ganz klar sehen wir mittelfristig einen Schub für die Digitalisierung des Finanzierungsmarktes. Durch die Corona-Krise sind derzeit viele Unternehmen gezwungen, digitale Lösungen auszuprobieren und neu für sich zu entdecken. Dies wird unserem Geschäftsmodell mittelfristig neue Möglichkeiten eröffnen. Wir sind da also optimistisch.

Aktuell läuft durch das Kreditprogramm der KfW ein nicht unerheblicher Teil des Geschäfts an Ihnen vorbei. Welche Änderungswünsche hätten Sie hier an die deutsche Politik?
Wir wollen gerne Teil der Lösung sein und die Bundesregierung und die KFW in der Corona-Krise so gut es geht unterstützen, damit dem Markt wieder mehr Liquidität bereitsteht. Es ist jetzt vor allem wichtig, dass die versprochenen Hilfen schnell bei den Unternehmen ankommen und die Liquidität gesichert wird.

Wir arbeiten sehr technologiegestützt und beurteilen die Bonität nicht hauptsächlich anhand von Jahres- oder Quartalsabschlüssen, sondern werten insbesondere die neuesten Buchungs- und Kontodaten der Firmen aus. So sind wir in der Lage, uns schnell ein aktuelles Bild von der Finanzsituation einer Firma zu machen. Das ist jetzt besonders wichtig, denn die Ausblicke, die Firmen Ende 2019 gegeben haben, sind nun nicht mehr entscheidungsrelevant. Banken könnten beispielsweise unsere Analysetechnologie nutzen, um die immense Nachfrage nach Liquiditätshilfen und staatlich gesicherten Krediten zügig abzuarbeiten.

Welche organisatorischen Änderungen haben Sie selbst intern in Ihrer Firma aufgrund der aktuellen Krise vorgenommen?
Als junges Fintech mit einem digitalen Geschäftsmodell, sind Homeoffice-Lösungen für uns glücklicherweise kein Problem. Wir sind es gewohnt, „remote“ zu arbeiten und haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum größten Teil ins Homeoffice geschickt. Für unsere Kunden sind wir auf allen Kanälen erreichbar und können unsere Geschäftstätigkeit bis auf den persönlichen Austausch normal fortsetzen.

 

Vielen Dank für das Interview!