Vynova Wilhelmshaven stellt Insolvenzantrag

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Die Vynova Wilhelmshaven GmbH hat Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Wilhelmshaven ordnete die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Dr. Christian Kaufmann von der Pluta Rechtsanwalts GmbH bestellt. Das Sanierungsteam unter seiner Leitung hat die Arbeit vor Ort bereits aufgenommen und erste Gespräche mit der Geschäftsführung geführt. Die vorläufige Verwaltung prüft derzeit die wirtschaftliche Lage und die Möglichkeit zur Fortführung des Geschäftsbetriebs. Laut PLUTA wird kurzfristig eine Insolvenzgeldvorfinanzierung organisiert, damit die Gehälter der rund 360 Beschäftigten gesichert sind. Das Insolvenzgeld deckt Löhne und Gehälter für einen Zeitraum von drei Monaten bis Ende Februar 2026.

Betriebsfortführung wird geprüft

Dr. Christian Kaufmann betonte in einer ersten Stellungnahme, dass die Situation herausfordernd sei. „Die Rahmenbedingungen sind sicherlich nicht einfach, aber wir prüfen die Fortführung des Geschäftsbetriebs und suchen nach einer langfristigen Lösung für den Betrieb.“ Unterstützt wird er dabei von einem Team bestehend aus den Rechtsanwälten Ingo Thurm, Dr. Oliver Liersch und André Gildehaus sowie den Betriebswirten Nicole Neumerkel und Vivien Doll. Die Geschäftsführung der Gesellschaft informierte die Belegschaft bereits am Tag vor der Antragstellung über die Einleitung des Insolvenzverfahrens. Der Standort Wilhelmshaven gilt als einer der bedeutendsten Produktionsstandorte für PVC in Europa. Das Werk existiert seit 1981 und produziert Suspensions-PVC (S-PVC) sowie Vinylchlorid-Monomer (VCM), das als Basisrohstoff für die PVC-Herstellung dient.

Ursachen: Branchenschwäche und Energiepreise

Nach Unternehmensangaben ist die wirtschaftliche Lage auf eine Kombination aus schwacher Konjunktur, rückläufiger Binnennachfrage, hoher Energiekosten und billigeren Importen aus dem Ausland zurückzuführen. Diese Faktoren haben die gesamte europäische PVC-Industrie unter Druck gesetzt. Erst kürzlich stellte die Muttergesellschaft Vynova die PVC-Produktion in ihrem Werk im niederländischen Beek ein. Die Insolvenz betrifft allerdings nur die deutsche Tochtergesellschaft. Vynova ist ein führender europäischer Hersteller von PVC- und Chloralkali-Produkten mit Sitz in Belgien. Die Gruppe entstand im Jahr 2015 aus Unternehmensteilen der Chemiekonzerne Ineos und Solvay. Sie betreibt mehrere Produktionsstätten in Europa. Die Produkte des Konzerns finden Anwendung in zahlreichen Industriezweigen und im täglichen Gebrauch. Das Werk in Wilhelmshaven liegt strategisch günstig am Jadebusen mit direktem Zugang zum einzigen deutschen Tiefwasserhafen.

Politische Unterstützung für Standort

Nach Angaben des Insolvenzverwalters laufen Gespräche mit Politik und Wirtschaft über mögliche Zukunftsperspektiven für den Standort. Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) erklärte, man dürfe nicht zulassen, dass solide Industriearbeitsplätze verloren gehen. Es würden alle Möglichkeiten geprüft, um den Fortbestand des Werkes zu sichern. Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Anne Janssen sprach sich gegenüber der Presse für eine nachhaltige industriepolitische Unterstützung aus. Sie forderte konkretes Handeln statt weiterer Debatten über die Standortbedingungen für die deutsche Industrie.

Der Standort Wilhelmshaven zählt mit rund 360 Arbeitsplätzen zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Region. Die wirtschaftliche Unsicherheit infolge der Insolvenz stellt nicht nur die Beschäftigten, sondern auch zahlreiche Zulieferer und regionale Dienstleister vor neue Herausforderungen. Die Pluta Rechtsanwalts GmbH gehört zu den führenden Restrukturierungsgesellschaften in Deutschland. Das Unternehmen mit rund 500 Beschäftigten ist auf die rechtliche und wirtschaftliche Sanierung von Unternehmen spezialisiert. Die Experten unterstützen Betriebe in Krisensituationen mit der Entwicklung tragfähiger Konzepte für die Restrukturierung und übernehmen bei Bedarf auch operative Verantwortung.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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