Deutscher Versand Service und die Xendis GmbH haben Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die Unternehmen streben laut einer offiziellen Mitteilung eine Sanierung in Eigenverwaltung an. Das Amtsgericht Düsseldorf hat diesem Schritt bereits zugestimmt. Die Geschäftsführung bleibt nach Angaben der Firmen weiterhin im Amt. Der operative Geschäftsbetrieb läuft laut dem geschäftsführenden Gesellschafter Michael Mews uneingeschränkt weiter. Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Gericht den Rechtsanwalt Markus Kier. Unterstützt wird der Prozess durch die Kanzleien Baker Tilly sowie McDermott.
Ursachen der wirtschaftlichen Krise
Die angespannte Wettbewerbssituation im deutschen Briefmarkt belastet das Unternehmen laut Presseberichten stark. Als wesentlichen Grund nennt der Briefdienstleister zudem das Umsatzsteuerprivileg der Deutsche Post. Laut Medienberichten können alternative Zusteller nur eingeschränkt von Steuerbefreiungen profitieren. Das novellierte Postgesetz erlaubt dem Marktführer demnach weiterhin steuerfreie Angebote für große Mengen Geschäftspost. Zusätzlich stieg der Kostendruck durch deutlich höhere Ausgaben für das Personal an. Seit März 2025 wurden zudem neue Ausnahmebescheide durch das Bundeszentralamt für Steuern gestoppt. Dies führt nach Angaben von Marktteilnehmern zu erheblicher Unsicherheit bei der Kalkulation von Angeboten.
Bedeutung für den Wettbewerb
Der Deutscher Versand Service hält laut Schätzungen einen Marktanteil von rund 30 %. Damit gilt das Unternehmen als zentrale Drehscheibe im alternativen Briefnetz. Ein Scheitern der Sanierung könnte laut Beobachtern die Liberalisierung des Marktes insgesamt gefährden. Dies würde mittelfristig auch die Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland treffen. Unabhängig vom operativen Geschäft verfolgt eine Holding der Gruppe eine Schadensersatzklage gegen Dhl. Das Volumen dieser Klage beläuft sich nach Unternehmensangaben auf rund 1 Mrd. EUR. Der Kläger wirft dem Marktführer die systematische Unterdrückung des Wettbewerbs vor. Die Post habe bei Dialogpost-Werbebriefen Mindestpreise unterschritten. Diese rechtliche Auseinandersetzung ist von der aktuellen Insolvenz der operativen Einheiten nicht betroffen. Die Deutsche Post bestreitet die Vorwürfe laut eigenen Angaben vehement. Das Ziel des Verfahrens in Eigenverwaltung ist eine strategische Neuausrichtung der Firmen. Zu den Kunden gehören namhafte Banken sowie Versicherungen und Energieversorger.
Planung der Restrukturierung
„Diesen Schritt haben wir bewusst gewählt“, erklärte Michael Mews in einer Stellungnahme. Er möchte die Unternehmen in einem geordneten Verfahren stabilisieren. „Auch im Eigenverwaltungsverfahren läuft unser Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiter“, betonte der geschäftsführende Gesellschafter ausdrücklich. Die Kanzlei Piepenburg Rechtsanwälte stellt mit Markus Kier den erfahrenen Sachwalter für diesen Prozess. Die Sanierungsteams erarbeiten nun gemeinsam mit der Leitung einen detaillierten Restrukturierungsplan. Dieser Plan soll die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Gruppe sicherstellen.







