„Karl Lagerfeld ist mein großes Vorbild“

Interview mit Michael Michalsky, deutscher Modeschöpfer und Designer

Designer Michael Michalsky begann seine Karriere bei Levi's 1992 nach seinem Studium. Heute zählt er zu den Großen der deutschen Modeszene.
Foto: © Michalsky

Michael Michalsky begann seine Karriere als Modedesigner nach dem Studium in London beim Jeanshersteller Levi’s 1992 . Später war er elfeinhalb Jahre bei Adidas Global Creative Director. Von 2005 an hat er dem Luxustaschenlabel MCM 13 Jahre lang wieder auf die Erfolgsspur verholfen. 2006 folgte er dann endlich dem Ruf in die Selbstständigkeit und gründete sein eigenes Mode- und Lifestyle-Label in Berlin: Michalsky. Der 57-Jährige zählt heute zu den Großen in der deutschen Modeszene.

Herr Michalsky, Sie sind in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Wie kommt man dort an die nötige Inspiration und woher stammt Ihr Faible für Mode?

Als ich Teenager war, gab es noch kein Internet und deshalb war mein Hauptzugang zu Wissen und Inspiration der Bücherei-Bus. Der kam immer am ersten Montag im Monat in mein Dorf. Bei dem Bibliothekar bestellte ich alle Bücher, die ich bekommen konnte zu den Themen Mode, Architektur, Design, Kunst und Kunstgeschichte. Die brachte er mir dann am nächsten Termin mit. Meinen Faible für Mode habe ich früh entdeckt und mich schon als kleines Kind immer anders als andere Kinder gekleidet. Mode hat mir schon sehr früh in meinem Leben Spaß gemacht.

Heute leben und arbeiten Sie in Berlin – was bedeutet Ihnen diese Stadt?

Als Standort für mein eigenes Label kam für mich nur Berlin in Frage. Die Stadt ist meine Inspirationsquelle: die Menschen auf der Straße, die Clubs, das große kulturelle Angebot. Berlin ist nie fertig und eigentlich auch nicht eine Stadt, sondern viele Kleinstädte. Und obwohl es hier natürlich auch Sachen gibt, die mich nerven habe ich bis jetzt noch keine Alternative gefunden. Um es mit Hildegard Knefs Worten zu sagen :

Das ist Berlin, Berlin, die ewig junge Stadt
Das ist Berlin, die Stadt, die meine Liebe hat.

Worum geht es Ihnen mit Ihrer Mode?

Mode ist nicht nur Bekleidung. Mode ist Ausdruck der Persönlichkeit der Menschen. Ein individuelles Stilmittel für jeden einzelnen. Ich kommuniziere über meinen Look. Mit meiner Arbeit möchte ich den Menschen Anregungen geben, ihren eigenen Stil zu finden, der zu ihrer Persönlichkeit passt.

Sie haben Designs für bekannte Marken aus sehr verschiedenen Bereichen entworfen, darunter Levi’s, Adidas, Tchibo, Procter&Gamble und Ariel. Wie passt das zusammen?

Designer Michael Michalsky begann seine Karriere bei Levi's 1992 nach seinem Studium. Heute zählt er zu den Großen der deutschen Modeszene.
Michael Michalsky; Foto: © Michalsky

Wenn man sich mit der Kundengruppe auseinandersetzt, die eine Marke anspricht und wenn man die Historie der jeweiligen Marke untersucht, kann man sehr interessante Zusammenhänge entdecken. So entstehen neue, kreative Ideen. Deshalb tauche ich immer sehr intensiv in die Geschichte der jeweiligen Marke ein, für die ich anschließend neue Produkte entwerfe. Das Ergebnis muss authentisch sein. Das ist mir wichtig. In welchem Preissegment, die Marke angesiedelt ist, spielt für mich dabei keine Rolle.

Sie wurden von der Vogue einst als „der neue deutsche Mode-Papst“ betitelt und haben zahlreiche Auszeichnungen abgeräumt. Wie wichtig ist Ihnen diese Anerkennung?

Natürlich freut man sich über Lob, Preise und Design-Awards. Wenn Fachleute meine Arbeit gut finden und mit einem Award auszeichnen, ist das mehr als Wertschätzung. Dadurch wird ausgedrückt, dass man mit seiner Arbeit einen Beitrag geleistet hat. Das ist schön! Genauso wichtig ist mir aber auch ehrliches Feedback von den Menschen in meinem direkten Umfeld.

Deutschland ist nicht gerade das Mekka der Modeindustrie. Wie halten Sie es hierzulande aus?

Ich lebe gerne in Deutschland! Es stimmt leider, dass Mode in Deutschland nicht so wahrgenommen wird wie in Frankreich, Italien oder England. Aber ich bin Optimist und arbeite schon mein ganzen Leben lang daran, dass sich das ändert. (lächelt)

Wer sind Ihre Vorbilder und warum?

Mein einziges großes Vorbild ist und war Karl Lagerfeld. Wegen ihm bin ich Designer geworden. Damals mit ungefähr 14 Jahren habe ich eine Reportage über ihn und seine Arbeit im Magazin „Stern“ gelesen. Das war mein „Aha – Erlebnis“ – danach wusste ich: „Was der Mann macht, möchte ich auch mal machen“. Ich habe ihn dann später auch kennengelernt und war mit ihm befreundet. Karl war ein toller Mensch und ein Genie. Ich muss noch oft an ihn denken und vermisse ihn!

Wir sind ein Corporate Finance Magazin. Wie ist Ihre Beziehung zum Geld?

Entspannt. Wenn man bereit ist, viel zu arbeiten und dazu etwas Glück hat, kommt der Erfolg – und damit das Geld. Aber ich arbeite nicht, um Geld zu machen. Ich arbeite, um Produkte zu entwickeln und meine Ideen umzusetzen. Wenn ich damit gut leben kann, umso besser.

Was kommt als Nächstes?

Als nächstes kommt mein neues Parfum, eine neue Eyewear Collection für Misterspex, meine neue Home-Living Collection und tolle, neue Tapeten. Außerdem arbeite ich aktuell an einem Fashion-Project, zu dem ich aber noch nichts sagen kann.

Unternehmer und Designer wo sehen Sie die Gemeinsamkeiten, wo die   Unterschiede?

Unternehmer und Designer haben gemeinsam, dass sie nur erfolgreich sind , wenn sie sich für das interessieren, was in der Zukunft kommt. Der Unterschied zwischen beiden ist, dass es für Unternehmer nur „schwarz oder weiß„ gibt − für den Designer aber unendliche viele Farben. (lacht )

Wie definieren Sie unternehmerischen Erfolg?

Für mich besteht unternehmerischer Erfolg aus mehreren Stufen:
Stufe eins: betriebswirtschaftlicher Erfolg. Die Firma muss profitabel arbeiten.
Stufe zwei: Freiheit in unternehmerischen Entscheidungen sinnvolle Dinge zu tun.
Stufe drei: Gelassenheit und Zufriedenheit mit dem Ergebnis.

Sie sind 57 haben Sie schon über Ihre Nachfolge nachgedacht?

57 ist das neue 37! Ich werde, solange ich gesundheitlich kann, arbeiten, denn mir macht meine Arbeit viel Spaß, ich empfinde sie ja nicht mal als Arbeit. Deshalb stelle ich mir diese Frage noch nicht. Ich habe noch sehr viele Ideen und noch sehr viel vor – die besten Jahre kommen noch!

Herr Michalsky, wir danken Ihnen für diese spannenden Einblicke!

Das Interview führte Eva Rathgeber. 


 ZUR PERSON 

Designer Michael Michalsky begann seine Karriere bei Levi's 1992 nach seinem Studium. Heute zählt er zu den Großen der deutschen Modeszene.
Michael Michalsky; Foto: © Michalsky

KURZPROFIL:

Geboren: 1967 in Göttingen

Hobbys: Sammlung von Fotokunst, Musik

Erfolge:

2003: „National Designer of the Year“/ GQ Award Germany

2004: „Sportstyle Designer of the Year“/ ISPO VISION

2005: „Designer-Team des Jahres“ mit Adidas-Designteam im Rahmen der “red dot design awards”

Diverse internationale Design-Awards wie „European Interior Design Award”, “red dot” und andere

Instagram: https://www.instagram.com/michael.michalsky/ 

👉 Dieser Beitrag erscheint in der nächsten Magazinausgabe der Unternehmeredition 1/2024.

Autorenprofil

Als Chefredakteurin der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung im Wirtschaftsjournalismus und in der PR.

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