Elektronik-Unternehmen Technopia GmbH in der Krise

Foto: © MQ-Illustrations_AdobeStock
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Die Technopia GmbH aus Grafing bei München hat beim Amtsgericht München ein Insolvenzverfahren über das eigene Vermögen beantragt. Das Gericht hat dem Antrag entsprochen und Rechtsanwalt Marc-André Kuhne von der Kanzlei dkr kuhne dr. raith rechtsanwälte PartGmbB zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Die Beschäftigten wurden bei einer Betriebsversammlung über den aktuellen Stand informiert. Der Geschäftsbetrieb läuft unter Aufsicht des Verwalters uneingeschränkt weiter. Nach Gesprächen mit wichtigen Kunden und Lieferanten konnte Kuhne die Fortführung der betrieblichen Aktivitäten sicherstellen. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis einschließlich Dezember 2025 abgesichert.

Spezialisierter technischer Dienstleister

Die Technopia GmbH wurde im Jahr 2013 gegründet und ist auf technische Dienstleistungen für Industriekunden in Europa spezialisiert. Das Unternehmen fokussiert sich auf Schaltschrankbau, Projektierung, Programmierung und Inbetriebnahme industrieller Steuerungsanlagen. Zudem übernimmt es technische Projektleitungen. Neben dem Firmensitz in Grafing bei München betreibt Technopia einen Produktionsstandort in Chemnitz. Dort sind rund 35 Mitarbeitende beschäftigt. Die Fertigungseinheit ist auf den Bau und die Verdrahtung von Schaltschränken und Schaltanlagen ausgerichtet. Die Kunden des Unternehmens stammen aus verschiedenen Industriebranchen.

Auftragsrückgang führt zur Insolvenz

Nach Angaben des Unternehmens besteht weiterhin Nachfrage nach Lösungen im Bereich industrieller Steuerungstechnik. Auch laufende Projekte werden fortgesetzt. Auslöser der wirtschaftlichen Krise war ein unerwartet starker Rückgang im Auftragseingang. Zusätzlich kam es zu Verzögerungen bei der Auftragsabwicklung und Abrechnung. Diese Entwicklungen führten dazu, dass die bestehenden Liquiditätsreserven aufgebraucht wurden. Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter bestehen dennoch reale Chancen für eine Fortführung des Unternehmens. Eine übertragende Sanierung wird als möglich angesehen.

Investorenprozess ist bereits angelaufen

Marc-Andre Kuhne
Marc-Andre_Kuhne

Nach Angaben von Marc-André Kuhne gibt es bereits Gespräche mit mehreren Investoren. Ziel sei es, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Arbeitsplätze zu sichern. „Die vorhandene Auftragslage und die technische Kompetenz des Unternehmens bilden eine tragfähige Basis für eine Sanierung oder eine Investorenlösung. Wir führen bereits erste Gespräche mit mehreren Interessenten, die an einer Übernahme oder Beteiligung an der Technopia GmbH interessiert sind“, erklärt Kuhne. In den kommenden Wochen sollen die Gespräche intensiviert werden. Es wird eine tragfähige Lösung angestrebt, die sowohl den Interessen der Gläubiger als auch der Belegschaft entspricht. Die Kanzlei dkr kuhne dr. raith rechtsanwälte PartGmbB verfügt nach eigenen Angaben über langjährige Erfahrung im Bereich Insolvenzverwaltung und Sanierung. Sie betreut Verfahren in allen Größenordnungen und ist an verschiedenen bayerischen Gerichten tätig. Marc-André Kuhne wird seit 15 Jahren regelmäßig als Insolvenzverwalter eingesetzt.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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