Die Prognosen bessern sich

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Die Stimmung unter den Unternehmen in Deutschland ist unverändert. Der ifo Geschäftsklimaindex verharrte im Mai bei 89,3 Punkten. „Die Unternehmen zeigten sich weniger zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage. Die Erwartungen hellten sich hingegen auf. Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich schrittweise aus der Krise heraus“, erklärte ifo-Präsident Clemens Fuest. Industrie, Handel und Bau erholen sich, während die Dienstleister einen Dämpfer bekommen. Im Verarbeitenden Gewerbe habe sich das Geschäftsklima zum dritten Mal in Folge verbessert. Die Firmen zeigten sich merklich zufriedener mit den laufenden Geschäften. Auch der Ausblick auf die kommenden Monate sei weniger pessimistisch als im Vormonat. Im Dienstleistungssektor habe der Index einen Rückschlag erfahren – wiederum im Handel zog der Index merklich an. Im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima erneut verbessert. Die Unternehmer zeigten zufriedener mit den laufenden Geschäften. Der Auftragsmangel bleibe aber ein zentrales Problem.

Positive Frühindikatoren für zweites Quartal 2024

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im ersten Quartal 2024 leicht um 0,2% gestiegen. Dies stellt eine Erholung dar, nachdem das BIP im letzten Quartal 2023 um 0,5% geschrumpft und im Gesamtjahr 2023 nahezu stagniert hatte. Die Frühindikatoren des aktuellen KfW-Konjunkturkompasses deuten auch für das zweite Quartal 2024 auf ein leichtes Wachstum hin. Das Wachstum im ersten Quartal 2024 sei insbesondere durch einen Anstieg der Bauinvestitionen und Exporte getragen worden. Mit einer nur noch moderaten Inflation und deutlich höheren Nominallöhnen seien die Voraussetzungen für eine konsumgetriebene Erholung gegeben. Die niedrigere Inflationsrate und das Wachstum der Nominallöhne schaffe günstige Bedingungen für eine Erholung, die vom privaten Konsum angetrieben wird. Die Beschäftigung bleibe nach Ansicht der KfW-Experten angesichts der Fachkräfteknappheit voraussichtlich stabil, was den Konsum weiter stütze.

KfW Research bestätigt die Annahmen aus der Winterprognose und rechnet für Deutschland im Jahr 2024 weiterhin mit einem Wachstum von 0,3%. Für 2025 werde ein Wachstum von 1,2% erwartet. Die deutschen Exporte und die Bauwirtschaft dürften von der globalen wirtschaftlichen Erholung profitieren. Auch die privaten Wohnbauinvestitionen könnten gestützt von einer hohen Wohnungsnachfrage wieder signifikant expandieren. Durch die zunehmende Breite des Konjunkturaufschwungs werde in der zweiten Hälfte des Jahres 2024 eine leichte Beschleunigung erwartet.

Unternehmen zahlen pünktlicher

Die deutschen Unternehmen haben im ersten Quartal 2024 wieder pünktlicher gezahlt als im Vorjahreszeitraum. Der branchenübergreifende Zahlungsverzug hat nach einer aktuellen Auswertung der Creditreform die Zehn-Tages-Marke unterschritten und liegt in Deutschland jetzt bei 8,9 Tagen und hat sich damit deutlich um 1,4 Tage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbessert (1. Quartal 2023: 10,3 Tage). „Bereits im vergangenen Jahr war die Zahlungsmoral trotz schlechter Stimmung bei den Unternehmen stabil geblieben. Die Lage hat sich seitdem keinesfalls verbessert. Die gute Zahlungsmoral der Unternehmen ist deshalb auch eine direkte Folge der Unsicherheit“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. „Die Unternehmen haben ihr Forderungsmanagement professionalisiert, Zahlungsziele gesenkt und sind deutlich zurückhaltender bei größeren Bestellungen. Dazu beobachten wir, dass zeitgleich die Investitionstätigkeit rapide abnimmt, was für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen kein gutes Zeichen ist“, so Hantzsch weiter.

Großinsolvenzen nehmen zu

43 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 20 Mio. EUR haben im ersten Quartal  2024 einen Insolvenzantrag gestellt. Das sind knapp 16% weniger als im Vorquartal, wie aus dem Insolvenzreport der Unternehmensberatung Falkensteg hervorgeht. Der Rückgang ist typisch für den Jahresbeginn. Im Langzeitverlauf würden die Insolvenzzahlen dagegen deutlich nach oben zeigen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg die Zahl der Anträge um 60%. „Der Rückgang der Insolvenzzahlen wird nur von kurzer Dauer sein, denn zum Jahresanfang gibt es immer diesen Sägezahnverlauf. Wir gehen viel mehr von einem deutlichen Anstieg in diesem Jahr aus“, so Studienautor und Falkensteg-Partner Jonas Eckhardt. Vor allem das anhaltende Null-Wachstum und die hohen Finanzierungskosten setzen die Wirtschaft unter Druck. „Bei vielen Unternehmen laufen die noch günstigen Kreditkonditionen aus und es stehen teure Refinanzierungen an. Diese Mehrkosten werden einige Geschäftsmodelle nicht mehr erwirtschaften können oder die Unternehmen bekommen erst gar keinen Finanzierungsrahmen zur Verfügung gestellt“, prognostiziert Sanierungsexperte Eckhardt. In der Falkensteg-Branchenauswertung liegt die Immobilienbranche mit neun Verfahren an der Spitze.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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