In der Wirtschaftspolitik wird derzeit nichts so kontrovers diskutiert wie Freihandelsabkommen. Die Frontlinie verläuft quer durch die Gesellschaft und politische Lager. Allein die großen Wirtschaftsverbände sprechen sich uneingeschränkt für TTIP und Co. aus. Doch die, die davon betroffen sind, denken in Alternativen.

Grundsätzliches Ja zum Freihandel

Einhelligkeit pro TTIP ist dagegen schwer zu finden, immer wieder ein „Ja, aber“ zu hören, insbesondere in Bezug auf Lebensmittel. Helge Wieneke vom hannoverschen Süßwarenhersteller Bahlsen ist dafür ein Beispiel: „Grundsätzlich finden wir Freihandel gut.“ Aber: „Teile von TTIP sind aus unserer Sicht kontrovers. Beispielsweise wollen wir nicht, dass durch TTIP genmanipulierte Produkte zugelassen werden, dagegen wehren wir uns strikt.“ Genauso schränkt auch Fenster-Hersteller Seitz sein grundsätzliches Ja zum Freihandel ein: „Verbraucherstandards und Verbraucherschutz sind wichtige Elemente, die sollten nicht herabgesenkt werden, um jedem x-beliebigen Produkt einen Marktzugang zu bieten.“


„Verbraucherstandards und Verbraucherschutz sollten nicht herabgesenkt werden, um jedem x-beliebigen Produkt einen Marktzugang zu bieten.“

Dirk Seitz, Geschäftsführer Aluplast GmbH


Wenn irgendwo ein bedingungsloses Ja zu TTIP zu erwarten ist, dann noch am ehesten im Maschinenbau und in der Automobilbranche. Autohersteller und Zulieferer machen durch den Export einen Umsatz von 227 Mrd. Euro pro Jahr und wären damit die größten Nutznießer von TTIP und Co. Einer von ihnen ist Thomas Burger, Firmenerbe der Burger-Gruppe in fünfter Generation und Geschäftsführer von SBS-Feintechnik, die als Tochterunternehmen Systemlieferant für kundenspezifische Antriebssysteme rund um Karosserie, Motor- und Innenraum ihr Geld verdient. Aber selbst hier greift die „Ja, aber“-Gleichung: „Für produzierende Betriebe hat der Freihandel sicherlich Vorteile.“ Aber „Für die Nahrungskette gilt das wohl eher nicht“. Und weiter: „Wir arbeiten für unsere Antriebslösungen, aber essen Fleisch, Obst und Gemüse.“ Ein erfolgreiches Unternehmen brauche leistungsfähige Mitarbeiter, dazu gehöre auch eine gesunde, nachhaltige Ernährung.

Dabei sollte SBS Feintechnik ob des gerade verabschiedeten CETA-Abkommens euphorisch sein. Anfang 2017 eröffnet der Kfz-Zulieferer in Kanada ein neues Werk: „Durch CETA wird sich vieles vereinfachen in unserer Lieferkette“, sagt Burger. Er betont, dass CETA einen gewichtigen Zusatzeffekt habe, jedoch „für den Aufbau des neuen Werks nicht der primäre Grund“ sei.

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