Nur durch eine Unternehmensbewertung im Verkaufsszenario kann man feststellen, was die gewählte Nachfolgelösung im Vergleich zu einem Verkauf kostet. Sie kann bereits getroffene Entscheidungen noch beeinflussen. 

Wertbestimmende Faktoren

Im Vordergrund stehen die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens sowie die durchschnittliche Unternehmensverschuldung. Die zukünftige Ertragskraft zeigt sich in einer vom Unternehmen vorzulegenden Planung von drei bis fünf Jahren sowie in der Abschätzung eines sogenannten nachhaltigen Ergebnisses, auch als „ewige Rente“ bezeichnet. Letzteres hat im Rahmen der Kapitalisierung einen dominanten Einfluss auf den Unternehmenswert. In die Planung fließen sämtliche, die Ertragskraft eines Unternehmens ausmachenden Parameter ein. Das Geschäftsmodell, Strategien, Kunden- und Produktstrukturen bis hin zu den Deckungsbeitrags- und Kostenverhältnissen spielen eine wichtige Rolle. Die Planung ist der arbeitsaufwendigste Teil der Unternehmensbewertung, aber auch der entscheidende.


Nachteilig wirkende Faktoren sind Beschränkungen der Freiheitsgrade des Übernehmers, etwa die Verpflichtung zur Erhaltung der vorhandenen Arbeitsplätze infolge erbschaftsteuerlicher Vorschriften.

Neben den rein betriebswirtschaftlichen Parametern können psychologische Faktoren einen wesentlichen Einfluss haben. In Nachfolgesituationen sind dies insbesondere Zeitdruck, fehlende Entscheidungsalternativen und letztlich dadurch ausgelöste „Ausverkaufssituationen“.

Bei Fortführung durch interne oder externe Manager wird der Unternehmenswert oft von der Finanzkraft des Nachfolgers abhängen. Der Unternehmenswert ist dann nur so hoch wie das, was der Nachfolger sich leisten kann. In diesem Zusammenhang stehen häufig finanzierungstechnische und steuerliche Optimierungen im Mittelpunkt der Überlegungen.

Beeinflussbarkeit von Unternehmenswerten

Wertbestimmende Faktoren lassen der Fantasie nach Gestaltungsmöglichkeiten freien Lauf. Wesentlich ist es in jedem Fall, die Gestaltungsfreiheit über die wertbestimmenden Faktoren in der Hand zu behalten. Das erfordert vorrangig eine weit vorausschauende Planung der Nachfolgesituation. Naturgemäß sind die Einflussmöglichkeiten im Rahmen der Ermittlung eines objektivierten Unternehmenswerts im Vergleich zur subjektiven Wertermittlung eingeschränkt.

Fazit

Wer meint, seine Nachfolgerentscheidungen ohne eine Unternehmensbewertung treffen zu können, läuft Gefahr, die Unternehmenspotentiale weder für sich noch für den Nachfolger angemessen auszuschöpfen. Verkaufsszenarien sind dabei ein besonders effizienter Maßstab.


Zu den Personen

Astrid Busch und Dr. Hans-Werner Kortmann (© Hanseatische Mittelstandstreuhand)Astrid Busch berät in Unternehmensbewertungen und M&A-Transaktionen.Dr. H.-W. Kortmann führt mittelständische Unternehmer durch Strategie- und Nachfolgeprozesse. Beide sind Wirtschaftsprüfer / Steuerberater und Mitinhaber der Hanseatische Mittelstands Treuhand GmbH in Hamburg. www.mittelstandstreuhand.com