Private Equity

„Suchkriterien“ für Unternehmen

Aus der Sicht des Kapital suchenden Unternehmens läuft die Anbahnung einer Beteiligung meist über die Hausbank, eine Investmentbank oder einen M&A-Berater. Da Private Equity-Fonds zum Teil Branchenschwerpunkte haben und bei der Investitionssumme je Beteiligung bestimmte Größenordnungen bevorzugen, sind dies Kriterien, nach denen das Unternehmen zunächst vorgeht. Außerdem haben einige PE-Fonds einen regionalen Fokus, manche sind nur an Mehrheitsbeteiligungen interessiert und schließen Minderheitsbeteiligungen aus. Unter diesen Gesichtspunkten kann das Unternehmen den Kreis der Investoren nach und nach eingrenzen, bevor es Kontakt aufnimmt und sich selbst – mit den wichtigsten Unternehmensdaten und Finanzierungsbedingungen – vorstellt. Im Verlauf der Gespräche stellt sich dann heraus, ob die Verhandlungspartner auch Vertrauen zueinander aufbauen – ob die Chemie stimmt, die für die Zusammenarbeit so wichtig ist. Für eine gründliche Prüfung – die Due Diligence – gibt das Unternehmen den Beteiligungsinteressenten nun detailliertere Informationen. Werden sich die Verhandlungspartner nun auch über den Kaufpreis und den individuellen Zuschnitt der Finanzierung einig, steht einem Vertragsabschluss nichts mehr im Wege. Seit der ersten Kontaktaufnahme sind nun meist zwischen zweieinhalb und sechs Monaten vergangen.

Individueller Zuschnitt der Finanzierung

Die Finanzierung sollte natürlich auf den Anlass bzw. den Zweck der Beteiligung sowie auf die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens, insbesondere auf seine Finanzplanung (Cashflow-Prognosen), abgestimmt sein. Einen klassischen Buyout (Auskauf von Altgesellschaftern, Übernahme des Unternehmens) finanziert der Private Equity-Fonds nicht nur mit Eigenkapital, sondern zusätzlich mit Fremd- und gegebenenfalls Mezzanine-Kapital, wobei der Eigenkapitalanteil heute meist bei etwa 40 bis 50% liegt. Wegen der gestiegenen Risikoscheu der Banken und der Verteuerung von Mezzanine ist er heute etwas höher als vor ein oder zwei Jahren. Die Fremdmittel werden aus dem Cashflow des übernommenen Unternehmens zurückgezahlt. Bei einer reinen Wachstumsfinanzierung über eine Minderheitsbeteiligung geht es dagegen nicht um einen Gesellschafterwechsel, sondern um die Zuführung zusätzlichen Eigenkapitals (auch Mezzanine möglich). Es gibt aber auch Mischformen, so dass z. B. bei einem Buyout zusätzliches Eigenkapital investiert wird oder das Unternehmen bei einer Wachstumsfinanzierung ergänzend einen Bankkredit aufnimmt.

Frühe Aussprache über Exitvarianten

Neben der Geschäftsstrategie werden auch Zwischenziele festgelegt. Diese können qualitativ (Verkaufsbeginn eines neuen Produkts, Markteintritt in einem anderen Land) und quantitativ (Kennzahlen wie Cashflow etc.) sein. Auch über die ungefähre Dauer der Beteiligung – diese variiert meist im Bereich zwischen zwei und acht Jahren – sowie mögliche Exitstrategien sprechen die Beteiligungspartner in der Regel bereits im Vorfeld eines Vertragsabschlusses. Als spätere Kaufinteressenten kommen in erster Linie andere Finanzinvestoren (Secondary Buyout) und Wettbewerber (Trade Sale) bzw. größere Unternehmen als strategische Käufer in Frage. Aber auch ein Rückkauf durch die Altgesellschafter ist möglich. In manchen Fällen wird auch ein Börsengang angestrebt.

Fazit:
Private Equity-Beteiligungen spielen in Deutschland zwar noch nicht die Rolle wie beispielsweise in angelsächsischen oder skandinavischen Ländern. Ihre Bedeutung hat aber im Laufe der Jahre deutlich zugenommen. Daran ändert auch die derzeitige Zurückhaltung bei großen Deals nichts. Der deutsche Beteiligungsmarkt ist ohnehin mittelständisch geprägt, was sich in der Kreditkrise als vorteilhaft erwiesen hat. Und nach wie vor sind die Kassen der Private Equity-Gesellschaften gut gefüllt.

Charakteristika von Private Equity
– Eigens gegründeter Fonds sammelt Geld von Investoren
– Beteiligung an nicht-börsennotierten Unternehmen
– Zuführung von Eigenkapital
– Hohe Investitionssummen möglich
– Einbringen des eigenen Netzwerks und Management-Know-hows
– Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung möglich
– Mehr oder weniger starke Mitspracherechte
– Klare Wertsteigerungsstrategie
– vorrangiges Ziel: hoher Verkaufserlös

Bernd Frank
redaktion@unternehmeredition.de