Knapp 100 Jahre hatte bei Ottobock nur die Familie das Sagen. Mit dem schwedischen Investor EQT ist nun ein neuer Gesellschafter an Bord. Wieso es zum Verkauf des 20-Prozent-Anteils kam und wie die weitere Strategie des Unternehmens aussieht, erklärt Hans Georg Näder.

Ihr Motto ist: Mit Volldampf in die Zukunft – was heißt das konkret?


Jetzt nicht nachzulassen, sondern als Marktführer voranzuschreiten, etwa bei der Digitalisierung unserer Branche. Nicht zuletzt technisch werden wir künftig noch mehr Menschen mobiler machen als ohnehin schon. Dazu kommen neue Formen von Mobilität im postautomobilen urbanen Raum und im Embedded-Living-Zuhause.

Planen Sie Zukäufe?

Wir haben unser Portfolio in den vergangenen Monaten mit bebionic und BionX zweimal durch Zukäufe verstärkt. Bieten sich weitere Gelegenheiten, werden wir uns genau anschauen, ob sie unser Wachstum beflügeln.

Welche Größenordnung schwebt Ihnen vor?

Das ist weniger eine Frage von Größe, sondern von Relevanz. Den nötigen finanziellen Spielraum haben wir jedenfalls.

Prothese von Leon Schäfer: Bei der Para-WM im Juli holte er die Goldmedaille in der 100-Meter-Staffel.
Prothese von Leon Schäfer: Bei der Para-WM im Juli holte er die Goldmedaille in der 100-Meter-Staffel.

Haben Sie Tipps für Familienunternehmer, die Anteile oder ihr komplettes Unternehmen verkaufen wollen?

Wenn Sie in der Orthopädie tätig sind: Rufen Sie mich an. Ansonsten kann ich das Team von Dorothee Blessing von J.P. Morgan, das uns betreut hat, nur wärmstens empfehlen.

Sie denken nicht in Quartalen, eher in Dekaden. Warum ist das vor allem für Ihr Geschäft so entscheidend?

Ottobock gibt es bald seit 100 Jahren. Wir profitieren immer noch von den Weichenstellungen, die mein Großvater Otto Bock und mein Vater Max Näder vorgenommen haben. Hätte ich nicht vor 20 Jahren als Erster die Chancen des C-Leg mit mikroprozessorgesteuertem Kniegelenk realisiert, hätten wir viele Menschen nicht wieder mobil machen können. Langfristiges Denken ist unverzichtbar.