Bereits in den 70er-Jahren zog es den Hersteller von Verpackungsmaschinen ins Ausland. Ein Gespräch über Internationalisierung, Verpackungskultur und die Frage, warum sein Unternehmen in Deutschland wohl nicht mehr wachsen wird.

Sie haben im Ausland nicht nur eigene Vertriebs- und Servicegesellschaften, sondern auch sieben Produktionsstandorte. Gerade bauen Sie eine neue Fabrik in Bulgarien – aus Kostengründen?

Die Kosten sind eher ein positiver Nebeneffekt. Wir haben im Unterallgäu in den vergangenen gut 15 Jahren 1.300 Arbeitsplätze geschaffen und stoßen inzwischen an Grenzen, genügend neue Arbeitskräfte zu finden. Das heißt für uns, dass wir uns nach weiteren Produktionsstätten umsehen müssen. Unser erster Schritt war, eine Fabrik in Spanien zu kaufen und umzubauen, der zweite Schritt ist jetzt die neue Fabrik für die Teile- und Komponentenfabrik in Bulgarien. Dort bekommen wir noch die Mitarbeiter, die wir dafür brauchen.


„Wir haben in Deutschland derzeit gut 1.900 Mitarbeiter. Sehr viel mehr werden es nicht werden.“

Hans-Joachim Boekstegers Group CEO, MULTIVAC Sepp Haggenmüller SE & Co. KG


Dadurch sparen Sie sich auch Personalkosten …

Die Entwicklung geht dahin, dass dort produziert wird, wo es günstig ist und wo die infrastrukturellen Rahmenbedingungen stimmen. Wenn beispielsweise die Energiekosten in Deutschland immer weiter steigen, wenn es wie hierzulande einen Mindestlohn gibt, dann führt das dazu, dass sich Arbeit weiter verlagert. Je mehr wir hier unsere Kosten treiben, desto schwieriger wird es, hier die Standorte zu erhalten.

Denken Sie darüber nach, in Deutschland Arbeitsplätze abzubauen?

Nein, nein! Wir sind als Marktführer in der Lage, die hohen Kosten gut zu kompensieren. Aber das Wachstum unserer Unternehmensgruppe wird an anderen Standorten stattfinden. Wir haben in Deutschland derzeit gut 1.900 Mitarbeiter. Sehr viel mehr werden es nicht werden – weil wir sie nicht bekommen und weil es die weltpolitische Lage erfordert, eher dezentral als zentral zu investieren.