„Die Konsolidierung wird kommen“

Der Spezialist für Filtersysteme Mann + Hummel hat seit 2016 zwei große Akquisitionen gestemmt, die jüngste gerade im Juli. Im Interview erklären die kommissarische Vorsitzende der Geschäftsführung Emese Weissenbacher und der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Fischer, wie sie damit ihr Portfolio erweitern wollen und welcher Wettbewerbsdruck hinter der M&A-Strategie steckt.

Das neue Projekt Feinstaubfressser: „Damit sind wir in der Öffentlichkeit präsenter.“

Bei Affinia haben Sie vor zwei Jahren etwa 1,4 Mrd. Dollar ausgegeben, der Multiple lag etwa bei elf. Hat sich mit der Akquisition von Tri-Dim die Preisspirale noch mal nach oben entwickelt?

Fischer: Affinia war noch relativ günstig. Bei Tri-Dim können Sie davon ausgehen, dass das Multiple höher lag, weil die Preise für Unternehmen teurer geworden sind.

Bei Ihren Kennziffern zwischen 2016 und 2017 fällt auf, dass Sie trotz des Wachstumskurses Stellen abgebaut haben, wobei die Produktion pro Arbeitskraft signifikant gesteigert wurde. Ist das ein Weg, den Sie gehen?

Fischer: Beim Stellenabbau sind das eher operative Themen, die in den Standorten begründet sind, zum Beispiel durch fehlende Nachfolgeaufträge oder eine Standortverlagerung, weil unsere Automobilkunden von West- nach Osteuropa gehen. Solche Entscheidungen müssen wir immer mal wieder treffen, weil unsere Kunden Preisreduzierungen von uns verlangen. Die Kennziffer bei der Wertschöpfung ist verzerrt, weil wir in Niedriglohnländern stärker aufbauen und relativ weniger Lohn für die Wertschöpfung zahlen.

Sie wollen unabhängiger vom Automobilmarkt werden, gleichzeitig stehen Technologieumbrüche wie die E-Mobilität bevor. Wie soll Ihr künftiges Portfolio strukturiert sein?

Fischer: Automotive wollen wir genauso stark weitermachen, denn es geht um Mobilität. Auch ein Hybrid- oder Batteriefahrzeug braucht einen Innenraum- oder einen Ölfilter an der Achse, braucht gefilterte Luft oder gereinigtes Wasser. Gleiches gilt für die Brennstoffzelle. Wir sehen da weiterhin große Chancen im Weltmarkt, weil wir noch nicht überall so stark sind wie in Europa oder den USA.

Weissenbacher: Gerade bei der Digitalisierung beziehungsweise im Segment Gebäudefiltration können wir neue Geschäftsmodelle aufbauen, bei denen es weniger um das Produkt, sondern um saubere Luft in Räumen geht. Deshalb haben wir in Singapur ein IoT-Lab (Internet of Things; Anmerkung der Redaktion) eröffnet oder schauen uns im Silicon Valley Start-ups an, die uns bei der Sensorik oder im Bereich Analytics weiterhelfen können.

Hat sich durch die Zukäufe und die stärkere Diversifizierung etwas am Markenbild oder der Vision geändert, die Sie in den nächsten Jahren umsetzen wollen?

Weissenbacher: Dabei geht es eher um die Unternehmensmarke beziehungsweise das Employer Branding. Als klassischer Automobilzulieferer wurden wir nicht so stark wahrgenommen. Mit neuen Geschäftsbereichen oder auch Projekten wie dem „Feinstaubfresser“ sind wir in der Öffentlichkeit präsenter.


Zu den Personen

Die gebürtige Ungarin Emese Weissenbacher arbeitet bereits seit 1994 bei Mann + Hummel. Seit Mitte 2015 ist sie Mitglied der aktuell vierköpfigen Geschäftsführung und für Finanzen, Controlling sowie Informationstechnologie zuständig. Seit dem Weggang des Vorsitzenden Geschäftsführers Alfred Weber im März dieses Jahres vertritt sie bis auf Weiteres operativ das Familienunternehmen.

 

 

Thomas Fischer ist Gesellschafter und Vorsitzender des Aufsichtsrats. Die Inhaberfamilien Mann und Hummel halten über ihre Beteiligungsgesellschaften 100 Prozent am Unternehmen und sind mit insgesamt sechs Mitgliedern im zwölfköpfigen Aufsichtsrat vertreten.

 

 

 


Zum Unternehmen

Mann + Hummel wurde 1941 von Adolf Mann und Dr. Erich Hummel gegründet. Bis heute erwirtschaftet das Unternehmen einen Großteil seines Umsatzes mit Filtersystemen für die Automobilhersteller, im automobilen Zweitmarkt sowie im Segment Industriefiltration. Seit den 90er-Jahren wachsen die Segmente Life Sciences und Umweltschutz. Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete Mann + Hummel rund 3,9 Mrd. Euro und einen Gewinn von 185 Mio. Euro. Derzeit sind an mehr als 80 Standorten über fünf Kontinente verteilt etwa 20.500 Menschen beschäftigt.
www.mann-hummel.com

 

Autorenprofil

Als Redakteur bei der Unternehmeredition leitet Volker Haaß die Online-Aktivitäten sowie die Sonderpublikationen der Plattform. Dazu gehört unter anderem die FuS – Zeitschrift für Familienunternehmen und Strategie.

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