Alexander Brochier gründete vor über zwanzig Jahren das Haus des Stiftens in München. Er gilt als Berater und Botschafter für Unternehmer, die mit ihrem Vermögen einen guten Zweck fördern wollen. Im Interview spricht er über sein schlechtes Gewissen und warum eine Stiftung auch die eigene Eitelkeit bedient.

Haben Sie das als Druck empfunden?

Nein, das war ein unglaublich schönes Gespräch, eines der wenigen langen Gespräche, die ich mit meinem Vater hatte, er war wenig zu Hause.

Haben Sie die Nachfolge jemals bereut?

Weiß Gott nicht.

Was möchten Sie Ihren vier Kindern vorleben und mitgeben?

Ich will ihnen vorleben, dass das Unternehmen Sinn macht, und zeigen, dass es eine Chance ist, die sie haben. Ich würde mich sehr freuen, wenn sie alle ins Unternehmen einsteigen würden. Aber ich bin ihnen nicht böse, wenn sie es nicht tun. Es ist ein Ellbogengeschäft, dafür muss man bereit und geeignet sein. Und ich möchte ihnen vorleben, dass ganz viel im Leben vom Glück abhängt. Da kann einer noch so viel Talent haben, Disziplin und Fleiß. Letztendlich braucht er eine ganze Portion Glück, damit er alles umsetzen kann.

Brochier bleibt also ein Familienunternehmen?

Das hoffe ich. Ich werde das Unternehmen nie verkaufen, wenn ich es nicht muss.

Welche Verantwortung wiegt schwerer – die für ein Unternehmen oder die für eine Stiftung?

Die Verantwortung für ein Unternehmen wiegt schon sehr, sehr schwer. Da bin ich für 600 Mitarbeiter, also 600 Familien verantwortlich. Aber in der Stiftung, im Haus des Stiftens, habe ich mittlerweile auch 60 Mitarbeiter, wir unterstützen sehr wichtige Projekte. Da würde ich keinen Unterschied machen.

Wenn Sie auf Ihre Grabrede von 1986 und Ihre Ziele zurückschauen, sind Sie zufrieden?

Das Problem ist, ich hatte mir damals sehr hohe Ziele gesetzt – und sie trotzdem schon nach zehn Jahren erreicht. Inzwischen habe ich so viel geschafft, Unternehmen und Stiftung sind in einem wunderbaren Fahrwasser, das ist sehr zufriedenstellend. Und das Wichtigste: Bei der Familie passt es auch – was will man mehr?

Gibt es denn inzwischen das Denkmal?

In meinem Kopf (lacht). Aber ich habe noch viel vor und werde auch nie aufhören, Unternehmer- oder vermögende Freunde damit zu nerven.


Zur Person:

Alexander Brochier stieg 1976 ins Familienunternehmen ein und wurde Geschäftsführer, bis er 2016 an seinen Neffen Christian Waitz sowie Volker Huth übergab. Brochier ist weiterhin Hauptgesellschafter. Die Brochier Gruppe bietet von Heizungs- und Energietechnik bis hin zur Beratung verschiedene Gewerke der Gebäudetechnik an. Die Holding beschäftigt rund 600 Mitarbeiter und setzte im vergangenen Jahr 68 Mio. Euro um. 1992 gründete Alexander Brochier eine Stiftung zur Förderung benachteiligter Kinder, 1995 das Haus des Stiftens in München. Die Brochier-Stiftung wirtschaftet mit einem Vermögen von fünf Mio. Euro.

www.brochier-stiftung.de