„Es gibt immer wieder Momente, in denen man nicht so sicher ist“

In fünfter Generation steht Patrizia Kappus-Becker an der Spitze der M. Kappus GmbH & Co. KG, dem größten Seifenunternehmen in Westeuropa. Aus freien Stücken trat sie die Nachfolge an – auch wenn es nicht immer ganz leicht war.

Haben Ihre Kinder Interesse, Ihnen nachzufolgen?

Mein Sohn momentan eher nicht, er studiert Humangeografie. Unsere Tochter studiert Medienmanagement und ist dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen. Sie macht momentan ähnliche Entwicklungsschritte wie ich damals.

Reden Sie ihr gut zu?

Nein, meine Haltung ist neutral. In Deutschland einen Produktionsbetrieb am Leben zu erhalten, ist sehr schwierig. Es gibt Produktionsauflagen, die völlig überzogen sind.

Und dennoch produzieren Sie weiterhin ausschließlich hierzulande an vier Standorten. Die Produktion an Ihrem Hauptsitz in Offenbach verlegen Sie derzeit ins Industriegebiet.

„Der Druck ist immer noch groß. Die Seife ist leider ein Produkt, das keine hohen Margen mehr abwirft“

Patricia Kappus-Becker, Geschäftsführerin der M. Kappus GmbH & Co. KG


In der Stadtmitte wurde es einfach zu eng. Die LKWs konnten nicht mehr vernünftig an das Unternehmen ranfahren, die Einfahrten waren ständig zugeparkt. Gut, dass ich vorher nicht ahnte, wie groß der Aufwand des Umzugs ist und was es alles zu bedenken gibt. Ansonsten hätte ich es nicht gemacht, sondern die Produktion in unsere anderen beiden Produktionsstätten in Riesa und Krefeld integriert und hier einen Sozialplan aufgestellt. Auch das war eine Entscheidung für die Mitarbeiter.

Hat sich das Verhältnis zu Ihrem Vater geändert, seit Sie in die Unternehmensleitung eingestiegen sind

Eigentlich nicht. Wir hatten schon immer ein gutes Verhältnis. Das ist im Wesentlichen auch so geblieben. Sicherlich fliegen auch mal die Fetzen. Wichtig ist, dass man die Aufgabengebiete trennt, dann funktioniert es ganz gut. Mein Großvater und mein Vater sind öfter aufeinandergeprallt.

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