Den Anschluss nicht verpassen

Immer mehr Länder in Europa setzen mit staatlichen Förderungen auf die Mitarbeiterbeteiligung. Eine Strategie, bei der es richtig umgesetzt nur Gewinner geben kann. Für Unternehmen ist sie ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor für die Zukunft, Arbeitnehmer finden eine attraktive Möglichkeit, Vermögen aufzubauen. Höchste Zeit, auch in Deutschland die Weichen neu zu stellen.

Fördern statt besteuern

Professor Dr. Hilmar Schneider vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit – IZA sieht in Mitarbeiterbeteiligungen eine Möglichkeit, die wachsende Diskrepanz zwischen den Einkunftsarten in einer sich verändernden Arbeitswelt zu stoppen. Er betont, dass sie – im Gegensatz etwa zu einer Robotersteuer – die Produktivität und Innovationskraft fördern. Nur: Begünstigungen kosten Geld und der Staat will den Euro für ähnliche Ziele wie etwa die Altersvorsorge nur ungern zweimal ausgeben. Will heißen: Wenn er schon etwas für Betriebsrenten tut, müssen andere Initiativen hinten anstehen. Doch nun kann es ja weitergehen. „In der endenden Legislaturperiode stand die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge im Vordergrund. In Zukunft dürften nun die private Altersvorsorge sowie die Vermögensbildung wieder stärker ins Blickfeld rücken, und die Mitarbeiterkapitalbeteiligung kann hier ein wichtiges Instrument sein“, sagt Steinberg.


„Vermögensbildung mit Aktien ist notwendig, um die Leute aus der Sparbuchfalle herauszuholen.“

Dr. Christine Bortenlänger


Anlagealternative für Arbeitnehmer

Zielführend wäre es in mehrfacher Hinsicht. Firmen können so Fachkräfte an sich ziehen, die gerade in Zeiten der Digitalisierung und angesichts der demografischen Entwicklung immer wertvoller werden. So binden sie zudem motivierte und sich mit dem Betrieb identifizierende Angestellte. Gleichzeitig bietet der Erwerb von Unternehmensanteilen den Arbeitnehmern eine renditeträchtige Anlagealternative. Zwar gibt es auch dagegen Einwände, die zum Beispiel auf das

Dr. Christine Bortenlänger
Geschäftsführender Vorstand
Deutsches Aktieninstitut

sogenannte Klumpenrisiko verweisen. Es entsteht theoretisch, wenn die Beschäftigten ihren Arbeitsplatz und die Geldanlage gleichermaßen vom Wohl und Wehe eines einzigen Unternehmens abhängig machen. Doch dieses Argument sticht nur sehr bedingt. So kann einerseits eine wirksame steuerliche Förderung dieses Risiko zu einem beachtlichen Teil ausgleichen, weil der Staat quasi einen Teil des Kaufpreises übernimmt. Zum anderen gewähren die Unternehmen selbst häufig zusätzlich zum Lohn Zuwendungen, um Mitarbeitern den Kauf der Anteile zu erleichtern. Und nicht zuletzt sind die Unternehmensanteile in der Regel nur Teil des Anlage- und Vorsorgeportfolios. Warum sollte das Motto „Nie alle Eier in einen Korb legen!“ hier nicht gelten? Das ist umso realistischer, als Unternehmensanteile in einem Mitarbeiterbeteiligungsmodell auch schon mit überschaubaren Beträgen zu haben sind. Das Spektrum der Möglichkeiten reicht bis hin zu sparplanähnlichen Gestaltungen, bei denen über den monatlichen Abzug kleiner Summen vom Gehalt der jährliche Erwerb von Anteilen finanziert wird. Wie wichtig das unter Renditeaspekten sein kann, wird den Anlegern in der Niedrigzinsphase drastisch vor Augen geführt. „Vermögensbildung mit Aktien ist notwendig, um die Leute aus der Sparbuchfalle herauszuholen“, erklärt Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts (DAI).

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