Der deutsche Markt für Fusionen und Übernahmen ist in Bewegung. Finanzinvestoren und Strategen aus dem In- und Ausland sind nicht nur an Großunternehmen, sondern vor allem an mittelständischen Firmen interessiert. Woher die Käufer kommen – und was Mittelständler zum Verkauf treibt.

Bereits in den vergangenen drei Jahren seien Fusionen und Übernahmen, die mit dem Thema Industrie 4.0 zusammenhängen, deutlich gestiegen. „Für die Zukunft ist davon auszugehen, dass eine große Anzahl mittelständischer Unternehmen die Geschwindigkeit und den technologischen Transformationsdruck, den die Industrie 4.0 erzeugt, nicht mehr mitgehen kann und will“, sagt Schmidl. Größere Unternehmen wie die Haberkorn Holding AG, die am Know-how oder am Marktzugang deutscher Unternehmen interessiert sind, sähen dann ihre Chance gekommen.

Kaum Käufer aus Österreich

Allerdings dürften sich unter den Käufern eher selten Firmen aus Österreich finden. „Transaktionen mit Beteiligung österreichischer Strategen sind am deutschen Markt eine Ausnahme“, sagt Norbert Schulte. Aber: Einer der seltenen Deals ist die Übernahme der PSG Plastic Service GmbH mit Hauptsitz in Mannheim durch die österreichische Meusburger Georg GmbH & Co. KG. Die Transaktion ist erst im Juli dieses Jahres abgeschlossen worden.„Sowohl PSG als auch Meusburger sind Familienunternehmen“, sagt Felix Hoch von der C-H-Reynolds Corporate Finance AG in Frankfurt, die die Transaktion begleitet hat.

(Quelle: MAJUNKE Consulting / Unternehmeredition)
(Quelle: MAJUNKE Consulting / Unternehmeredition)

Während das deutsche Unternehmen Heißkanal- und Regeltechnik für die Kunststoffindustrie anbietet, produziert Meusburger sogenannte Normalien, also standardisierte, nicht genormte Maschinenelemente. Zudem liefern die Österreicher Produkte für den Werkstattbedarf.

„Wir wollen von nun an unser Produkt- und Serviceangebot für den Werkzeug- und Formenbau immer weiter ausbauen“, sagt Guntram Meusburger, Geschäftsführender Gesellschafter der Meusburger Georg GmbH & Co. KG. Der Grund dafür, dass die Mannheimer PSG Plastic Service GmbH, die zuletzt einen Umsatz von 27 Mio. Euro schrieb und rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, einen Käufer suchte, ist das geradezu klassische Thema der Firmennachfolge: 18 Familiengesellschafter sahen keine Chance, das Unternehmen weiterhin in der Familie zu halten.

 

Schweizer schielen auf Fusionen und Übernahmen bei deutschen Unternehmen

„Viel häufiger als österreichische Strategen schauen sich Schweizer Unternehmen am deutschen M&A-Markt um“, weiß Norbert Schulte, ein Experte für Fusionen und Übernahmen. Dies liege zum einen daran, dass der Schweizer Franken seit der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank, die Währung nicht mehr an einen Euro-Mindestkurs zu koppeln, stark aufgewertet hat. Das senkt die Erträge von Schweizer Export-Unternehmen. Viele verlagern ihre Produktion daher verstärkt in Länder der Eurozone. Standorte im Nachbarland Deutschland werden als Kaufziele somit attraktiv. „Zum anderen benötigt die starke Schweizer Pharmaindustrie Zulieferer, die sich in der Bundesrepublik gut finden lassen“, erklärt Schulte.