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Unternehmeredition 2-2014

| Unternehmeredition Mittelstandsfinanzierung 201424 Schwer war auch, seinen Führungs- stil zu ändern und autoritär aufzutre- ten – so, wie es die Mitarbeiter unter der sozialistischen Führung kannten. Doch am Ende ist der Kulturwandel ge- glückt, auch, weil Lellé von vornherein junge Mitarbeiter von Unis und Fach- hochschulen geholt hat. Über die rest- lichen Gräben half die Verbundenheit mit dem Unternehmen hinweg. Denn die Identifikation der Mitarbeiter mit Halloren war extrem. Ungewöhnliche Finanzierungsformen Heute steht Halloren exzellent da. Mittlerweile sind 180 Produkte im Sor- timent, der Umsatz 2012 lag bei guten 90 Mio. EUR, die EBIT-Marge bei 2,8%. Davon blieben 2,07 Mio. EUR als Jahres- überschuss übrig. Für 2013 schätzt Lellé den Umsatz auf knapp 105 Mio. EUR, das Ergebnis vor Steuern auf 3 Mio. EUR. Ge- holfen haben unter anderem der Börsen- gang im Jahr 2007 und mehrere Anleihen. Die Kapitalmarktorientierung ist eher un- gewöhnlich für ein mittelständisches Un- ternehmen. Doch für den gelernten Ban- ker Lellé hat sie vor allem einen Vorteil: Unabhängigkeit von den Banken. Davon, dass vor allem große Süßwarenkonzerne wie Kraft oder Nestlé an der Börse notiert sind, ließ er sich nicht abschrecken. Auch Kosten und Aufwand, die für ein kleines Unternehmen beträchtlich sein können, sind es ihm wert. „Auch ein Mittelständ- ler kann eine Kapitalmarktpräsenz nut- zen, um von der Öffentlichkeit wahrge- nommen zu werden“, ist er überzeugt. Er schulte Mitarbeiter, einen Schuldschein ebenso geschickt zu verkaufen wie die zahlreichen Pralinen. Die erste Mittelstandsanleihe be- gab Halloren 2004, als eines der ersten Unternehmen überhaupt. 10 Mio. EUR wurden eingesammelt, vor allem um Produktkonzepte zu erweitern. Von nun an gab es Halloren Kugeln auch zu sai- sonalen Anlässen wie Ostern oder Weih- nachten. Auch die Bekanntheit im Wes- ten sollte vorangetrieben werden. Lellé verpflichtete Prominente wie Uwe Seeler oder Kugelstoßer Udo Beyer als „Scho- koladenbotschafter“. Den Emissionser- lös des Börsengangs von knapp 16 Mio. EUR steckte er in eine neue Fertigungs- halle mit „Gläserner Produktion“. Von nun an konnten Besucher vom firmenei- genen Schokoladenmuseum aus die Her- stellung der kleinen Köstlichkeiten be- obachten. Für 6,9 Mio. EUR wurden die Produktionsanlagen erweitert. Von 2009 bis 2012 folgten drei weitere Anleihen zwischen 8 und 10 Mio. EUR. „Die Kriegs- kasse ist nun erstmal gefüllt“, so Lellé. Von Halle in die Welt Und die braucht er auch. Bis heute ist das Wachstum bei Halloren über- wiegend organisch, doch der Süßwa- renmarkt ist hart umkämpft. Es gilt, sich über Nischen und Unverwech- selbarkeit eine eigene Position aufzu- bauen. Zukäufe und Internationalisie- rungsstrategien spielen eine wichtige Rolle – auch für Halloren. Der erste Zukauf geschah bereits im Jahr 2001. Damals erwarben die Hallenser einen Hersteller von Mozartkugeln aus dem oberbayrischen Bad Reichenhall. Ein Glücksgriff war der Kauf der Delitz- scher Schokoladenfabrik im Jahr 2008. Aus der Insolvenz heraus konnte sich Halloren damit einen der weltweit KURZPROFIL Halloren Schokoladenfabrik AG Gründungsjahr: 1804 Branche: Süßwaren Unternehmenssitz: Halle a.d. Saale Umsatz 2013e: 105 Mio. EUR Mitarbeiterzahl: circa 700 www.halloren.de Aus Halloren musste man etwas machen. KLAUS LELLÉ Vorstandsvorsitzender, Halloren Schokoladenfabrik AG Unternehmerwelt Dynastie

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