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Unternehmeredition 2-2014

19Mittelstandsfinanzierung 2014 Unternehmeredition | Klartext Titel Finanzierungsformen können so ge- staltet werden, dass die Eigenkapital- quote des Finanzierungsnehmers sich vorteilhafter darstellt als im Falle einer Kreditfinanzierung. Ob sich dies dann aber auch positiv auf die Bonitätsno- ten des jeweiligen Unternehmens aus- wirkt, hängt jedoch nicht zuletzt davon ab, wie die Risikoverteilung zwischen den beteiligten Partnern im konkreten Einzelfall aussieht. Eine bonitätsverbessernde Erhö- hung der Eigenkapitalquote kann vor allem aber auch durch die direkte Einbringung von Eigenkapital seitens externer Investoren – etwa Private- Equity-Gesellschaften oder Verwal- tern privater Großvermögen (Family Offices) – erfolgen. Bislang sind mit- telständische Unternehmer derartigen Modellen gegenüber aber oft skeptisch eingestellt, weil mit der Bereitstellung von Eigenkapital durch Externe auch unternehmerische Mitspracherechte für diese verbunden sind. Zu oft wird dabei aber übersehen, dass von exter- nen Beteiligungsgebern auch wichtige Impulse zur Verbesserung des Ma- nagements und zur Erschließung neu- er Marktsegmente ausgehen können. Hier gilt es folglich, Vor- und Nachtei- le sorgfältig abzuwägen, anstatt sich bietende Möglichkeiten vorschnell zu verwerfen. Mezzanine-Kapital als Lösungsansatz? Auch Mezzanine-Finanzierungen – also Mischformen zwischen Eigen- und Fremdkapital – sind vor diesem Hinter- grund eine interessante Alternative. Diese Instrumente können so gestaltet werden, dass sie im Rahmen von Bo- nitätseinschätzungen als eigenkapital- ähnlich behandelt werden, ohne dass den Kapitalgebern dabei Mitsprache- rechte verliehen werden müssten. Als idealtypisches Beispiel seien an die- ser Stelle nur Genussrechte erwähnt: Hier partizipiert der Kapitalgeber am Ergebnis des Beteiligungsnehmers, erwirbt aber kein Stimmrecht oder Mitwirkungsrecht an der Geschäftslei- tung. Da die Rückzahlung der Einlage des Beteiligungsgebers im Falle einer Insolvenz oder Liquidation aber erst nach vollständiger Befriedigung aller Gläubiger erfolgt, billigen Kreditgeber und Ratingagenturen Genussrechten einen weitgehend eigenkapitaläquiva- lenten Charakter zu. Zudem können Genussrechte in Form von Genuss- scheinen verbrieft und durch die Han- delbarkeit an organisierten Märkten einem breiten Anlegerkreis zugänglich gemacht werden. Mittelstandsanleihen: Zukunft ungewiss Seit 2010 können mittelständische Un- ternehmen auch eigene Anleihen an einschlägig spezialisierten Segmen- ten mehrerer deutscher Börsenplätze emittieren. Vor allem für Unternehmen, die nicht in der Lage sind, Darlehensge- bern ausreichende Kreditsicherheiten zu stellen, stellt dies eine interessante Alternative dar. Allerdings müssen die Emittenten den Anlegern teils Rendi- teaufschläge von bis zu sechs Prozent- punkten gegenüber bonitätsstarken Anleihen gleicher Laufzeit bieten, um ihre Schuldverschreibungen am Markt platzieren zu können. Die Euphorie, mit der die Aufnahme des Börsenhan- dels mit Mittelstandsanleihen anfangs begrüßt wurde, hat sich indes mittler- weile wieder gelegt: So wurden zwi- schen 2010 und Ende 2013 immerhin 17 der 119 emittierten Anleihen in diesem Segment notleidend. Vor diesem Hin- tergrund und aufgrund des dadurch ge- wachsenen Misstrauens auf Seiten der Anleger ist ungewiss, inwieweit unbe- sicherte Anleihen auch in Zukunft eine tragfähige Finanzierungsalternative für den Mittelstand sein werden. FAZIT Alternative Finanzierungsmodelle wie Leasing, Factoring, Private Equity oder Mezzanine-Kapital können dazu beitra- gen, kleinen und mittleren Unterneh- men trotz der drohenden Verknappung und Verteuerung klassischer Kredit- finanzierungen Wachstumsperspek- tiven zu eröffnen. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Unternehmen durch eine zurückhaltende Ausschüt- tungspolitik, ein professionelles Liqui- ditätsmanagement und ein hohes Maß an Transparenz das Vertrauen mög- licher Finanzierungsgeber gewinnen und erhalten. In dem Maße, wie dieser Rat beherzigt wird, wird Basel III auch seinen Schrecken für den Mittelstand verlieren. Zwischen 2010 und Ende 2013 wurden 17 der 119 emittierten Anleihen notleidend.

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