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Unternehmeredition-2-2015 - Pensionsbomben

Niedrige Zinsen erhöhen den Druck

| Unternehmeredition Mittelstandsfinanzierung 201560 Strategie „Der Zwang erhöht den Druck“ „Die Pensionsrückstellungen in den Bilanzen der meisten Mittelständler sind wie tickende Zeitbomben“ – mit dieser Aussage sorgte Finanzanalyst Antonio Sommese für Aufsehen. Im Interview erklärt er, was das für den laufenden Betrieb von Unternehmen bedeutet und warum Verkaufsoptionen eingeschränkt werden. INTERVIEW TOBIAS SCHORR Unternehmeredition: Sie warnen davor, dass mehr als 1,5 Millionen mittelständische Unternehmen Pensi- onszusagen ihrer leitenden Angestell- ten künftig nicht bezahlen können. Wie kommen Sie auf diese Zahl? Sommese: Über zehn Jahre Einbindung in ein bundesweites Beraternetzwerk geben uns Zugang zu Durchschnitts- zahlen, die Abschätzungen von Grö- ßenordnungen erlauben. Ausgehend von rund 3,8 Millionen mittelständi- schen Unternehmen in Deutschland betrifft die geschilderte Pensionspro- blematik schätzungsweise weit über ein Drittel aller Firmen und damit Milli- onen von Arbeitsplätzen. Sie gehen davon aus, dass die Lücke 500 Mio. Euro beträgt. Hört sich ziemlich rund an. Die 500 Mio. Euro sollen die Größen- ordnung beschreiben. Es handelt sich dabei nicht um eine kommagenau errechnete Zahl, die es bei diesem Thema ohnehin nicht geben kann. Ausgangsbasis sind rund 15 Millionen Beschäftigte in der mittelständischen Wirtschaft, davon etwa 20 Prozent Füh- rungskräfte, als potenziell Betroffene. Grund dafür sind vor allem die niedrigen Zinsen, die Lebensversi- cherungsverträge momentan abwer- fen. Mit diesen wiederum sind viele Pensionszusagen abgesichert. Sollte in andere Assetklassen investiert werden, damit höhere Renditen erwirtschaftet werden? Der Ratschlag ist nicht neu, aber den- noch zutreffend: Man sollte in alle Assetklassen investieren. Die richti- ge Streuung ist das A und O. Eine Fo- kussierung auf besonders risikoreiche Klassen in der Hoffnung, dass es gut geht, ist sicherlich keine gute Lösung. Das Risiko würde dadurch extrem steigen. Im Gegenteil. Durch eine vernünftige Streuung sinkt das Risiko. Welche Auswirkungen hat das auf die Beschäftigten? Der Zwang, höhere Erträge aus dem lau- fenden Geschäftsbetrieb zu ziehen, er- höht den Druck auf alle Beteiligten, von den Führungskräften bis zur Belegschaft. Sie geben auch Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern eine Mitschuld. Sie hätten Unternehmen das Modell vor Jahren empfohlen. Was bringt das dem Unternehmer jetzt? Eine Schuld kann man den Steuerbera- tern nicht anlasten. Schließlich war die- se Entwicklung damals kaum vorherseh- bar. Vielmehr zeigt diese Entwicklung beispielhaft, dass heute mehr denn je agile Steuerberater und Wirtschaftsprü- ZUR PERSON Antonio Sommese ist Geschäftsfüh- rer und Inhaber der Finanzstrategie Sommese GmbH & Co. KG. Als gelernter Bankkaufmann machte er sich 2003 selbstständig. Seitdem arbeitet er als Finanzexperte und ist Autor mehrerer Bücher zu Anlagestrategien. www.sommese.de Die Pensions- problematik trifft schätzungsweise weit über ein Drittel aller Firmen.

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