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Unternehmeredition 2-2014

Unternehmer fehlen konsistente Gesamtsysteme

| Unternehmeredition Mittelstandsfinanzierung 201474 Finanzierungsstrategien in der globalen Welt Der ökonomische Schwerpunkt unseres Planeten bewegt sich von Westeuropa und Nordamerika in östliche und südliche Richtung. Ein neues Verständnis von Globalisierung ist daher erforderlich, ebenso müssen Finanzierungs- und Risikostrategien neu gedacht werden. VON SVEN T. MARLINGHAUS D ie Verschiebung zeigt sich deut- lich an der G8-Gruppe: Als Klub der sechs bzw. sieben leistungs- fähigsten Volkswirtschaften der Welt gegründet, spiegelt sie heute nicht mehr die Realität wider. Längst liegen China und Brasilien unter den Top 8, während Kanada – von Indien und Russ- land überholt – aktuell nur noch Rang 11 einnimmt. Gerade den Mittelstand stellt diese Entwicklung vor große Her- ausforderungen – bietet allerdings auch viele Potenziale, um künftige Wachs- tumsfelder zu erschließen. Neue Strategien für neue Herausforderungen Um für sich wandelnde Rahmenbedin- gungen überzeugende und langfristig tragfähige Antworten zu finden, brau- chen die westlichen Unternehmen ein neues Verständnis von Globalisierung: Denn nach wie vor sind der Export, der Rohstoffeinkauf und die Verlagerung von wenig wertschöpfenden Teilen der Supply Chain die dominierenden Kanä- le, über die wir die Welt erschließen. Die großen Zukunftsmärkte der Welt verlangen einen anderen Umgang: Sie erfordern konsequente Lokalisierung, die Verlagerung von Intelligenz und Entscheidungsmacht und den Blick auf die Innovationspotenziale dieser Regionen. Diese Entwicklungen sind gerade für den traditionell „stammsitz- zentrierten“ Mittelstand häufig nicht nur mit einem Kulturwandel verbun- den, sondern auch mit substanziellen strukturellen Anpassungen: Die enge Vernetzung und Integration globaler Wertschöpfungsketten verlangen nicht nur strategisches Geschick, prozessu- ales Know-how und kulturelle Experti- se. Auch die Methoden und Instrumen- te im Finanz- und Risikomanagement gilt es auf die neuen Gegebenheiten einzustellen: Insbesondere, weil nicht mehr allein das eigene Unternehmen, sondern das gesamte Wertschöpfungs- netzwerk im Hinblick auf Risiken, Com- pliance und finanzielle Performance gesteuert werden muss. Finance & Risk Management für die vernetzte Welt Der mittelständische Sektor ist auf diese Entwicklungen in Summe noch nicht ausreichend vorbereitet. Gera- de das Risikomanagement wird nach wie vor häufig als eine interne Diszip- lin verstanden, mit einem rechtlichen und organisatorischen Rahmen, der mit Blick auf das einzelne Unterneh- men ausgelegt ist. Die externe Wert- schöpfungskette bleibt dabei in einem hohen Maße ausgeklammert, eine Art Black Box, die als Invarianz in den Rechnungen der Risiko-Experten auf- taucht. Erschwerend kommt hinzu, dass notwendiges Know-how überwie- gend in dedizierten Abteilungen oder im Financial Department allokiert ist – nicht jedoch in Einkauf und Supply Chain Management, um volatilen Roh- stoffpreisen, Währungsschwankungen, ökologischen und sozialen Problemen bei Zulieferern oder komplexen Com- pliance-Anforderungen effektiv begeg- nen zu können. Strategie ZUR PERSON Sven T. Marlinghaus ist Partner bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungs- gesellschaft und Head of Strategy & Operations Consulting Germany. Er war seit 1999 Partner und Managing Director von BrainNet, einer der welt- weit führenden Beratungen für Einkauf und Supply-Chain-Management. www.kpmg.de

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