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Unternehmeredition 2-2014

Interview mit Paul Cvilak, Sozialunternehmen AfB

| Unternehmeredition Mittelstandsfinanzierung 201440 Unternehmerwelt Entscheider im Gespräch „Nach Anfangsverlusten arbeiten wir profitabel“ Paul Cvilak gründete das Sozialunternehmen AfB, das Daten gebrauchter Computer löscht und die Hardware dann weiterverkauft. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 200 Mitarbeiter und schreibt schwarze Zahlen. INTERVIEW TOBIAS SCHORR Unternehmeredition: Herr Cvilak, wie kommt man auf die Idee, ein Sozialunternehmen zu gründen? Cvilak: Es stand nicht die Idee im Vordergrund, ein Sozialunternehmen zu gründen, sondern vielmehr die Geschäftsidee. Wenn man dann fest- stellt, dass die Tätigkeiten durchaus von Menschen mit Behinderungen sehr gut erbracht werden können, stellt sich nur die Frage, ob man rein wirtschaftlich operieren, also nach Gewinnmaximierung streben, oder ein gemeinnütziges Unternehmen mit all den Vorteilen, die der Gesetzgeber hierzu anbietet, gründen will. Unternehmen spenden Ihnen ihre alten IT-Anlagen. Dafür löscht AfB sämtliche Daten und verkauft die Hardware dann günstig weiter. Hört sich simpel an. Muss man, damit diese Idee funktioniert, Sozialunter- nehmer sein? Nein, wir haben viele wirtschaftliche Konkurrenten in Deutschland, die aber meistens die Aufgaben wie Datenlö- schung wegen der Personalkosten in Billigländern durchführen lassen. Unse- re Kunden bestehen aber darauf, dass die komplette Wertschöpfungskette in Deutschland erbracht wird, und zwar von behinderten Menschen in der Re- gion unserer Kunden. Unsere großen Kunden können diese Zusammenarbeit im Rahmen ihrer CSR-Strategien ihren Mitarbeitern, Partnern und Konsumen- ten klar und deutlich kommunizieren. Die ersten Finanzierungsgespräche mit Banken im Jahr 2005 waren ja nicht gerade Erfolg versprechend. Warum nicht? Zum Start von AfB fanden die Banken die Geschäftsidee zwar gut und das Konzept der Gemeinnützigkeit toll. Aber ohne Bilanzen der letzten drei Jahre war das Kreditwesengesetz die Ausrede der Banken. Wir mussten uns über Darlehen der Gesellschafter be- helfen. Was hat sich seitdem geändert? Nach fünf Jahren mit Anfangsverlusten ist die AfB mittlerweile profitabel und die regionalen Banken stehen mit Aval- krediten und kleineren Kreditlinien zur Verfügung. Die Gesellschafterdarlehen werden zurückgeführt. Wie finanziert sich AfB? Wir haben mit der Bonventure einen Investor gewonnen, der insbesondere bei gemeinnützigen Unternehmen als Finanzierungspartner zur Verfügung steht. Die Finanzierung über Gewinn, also den eigenen Cashflow, ist die zu- künftige Refinanzierungsart. Als ge- meinnützige Firma hat man insbesonde- re bei der Arbeitsplatzausstattung und den Investitionen in Fuhrpark und IT die Unterstützung der Sozialbehörden. Als Europas erstes gemeinnütziges IT-Systemhaus wurde AfB mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2012 ausgezeichnet. Was waren die Gründe? Wir sind in den Bereichen Social, aber auch Green IT ein Vorzeigeunterneh- men der Branche geworden, weil wir ZUR PERSON Paul Cvilak hat AfB die Firma 2004 mit zwei Mitarbeitern als gemeinnütziges Unternehmen gegründet. Heute hat AfB Niederlassungen in zehn deutschen Städten sowie in Frankreich, Österreich und der Schweiz. Mit 200 Mitarbeitern betreut AFB DAX-Konzerne, aber auch Mittelstandsfirmen sowie Kommunen und Ministerien. In München sind min- destens 40 Arbeitsplätze für behinderte Menschen geplant. Alle Mitarbeiter erhalten unbefristete Arbeitsverträge. www.afb-group.eu

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