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Unternehmeredition 2-2014

35Mittelstandsfinanzierung 2014 Unternehmeredition | Entscheider im Gespräch Unternehmerwelt Wie werden sich die Zinsen entwickeln? Wir haben damit gerechnet, dass nach Basel II, Basel III und nachdem die Fi- nanzwelt sich wieder einigermaßen in der Bahn befindet, die Zinsen wieder nach oben klettern. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das liegt vor allem daran, dass viel Geld im Umlauf ist. Momentan ist es eine gute Zeit für Unternehmen, die sich Geld leihen wollen. Dennoch stellen wir uns darauf ein, dass die Zin- sen auch wieder steigen. Welche Finanzierungstrends stellen Sie bei Mittelständlern und Familienunternehmen fest? Der überwiegende Teil des Mittelstands finanziert sich immer noch über den klassischen Bankkredit der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Das liegt vor allem daran, dass große Banken auf der Fläche nicht mehr vorhanden sind und der klassische Mittelständer gerne einen persönlichen Kontakt zu seinem Banker hat. Die Banken, die geblieben sind, haben auch das Vertrauen der Unternehmen. Für den größeren Mittel- stand gilt das nicht unbedingt. Wie wichtig ist das Thema Corporate Bonds? Weil so viel Geld im Markt ist, herrscht auch ein großer Anlagedruck bei institu- tionellen Anlegern. Für große Familien- unternehmen ist es deswegen auch kein Problem, große Anleihen zu begeben. Auch ein Modell für Sie? Durchaus. Wir und auch andere größe- re Mittelständler machen uns kapital- marktfähig. Wir sind schon seit vielen Jahren gerated. Wir machen das über den VDA und den VDMA. Diese Ratings nutzt die Branche. Die Banken akzeptie- ren diese. Sie sind die Benchmark. Es wäre schön, wenn auch das Bankenra- ting so transparent wäre. Wann planen Sie, eine Anleihe zu begeben? Wir haben dafür keinen Zeitpunkt fest- gelegt. Noch ist es nicht nötig. Warum hat der Mittelstand Angst vor einem Börsengang? Wir haben deswegen so viele langlebige Familienunternehmen, weil sie niemals an der Börse waren. Ist man einmal am Kapitalmarkt, ist man immer am Ka- pitalmarkt. Es gibt Ausnahmen, aber der Weg zurück ist sehr schwierig. Das Nachfolgethema spielt eine große Rolle. Habe ich jemanden in der Familie, an den ich das Unternehmen weitergeben kann, gebe ich das Unternehmen im Ganzen weiter. Ein Börsengang wäre dann kontraproduktiv. Vielleicht ändert sich das ja künftig mal. Wie hoch ist Ihre Eigenkapitalquote? Sie liegt bei mehr als 50%. Zu 100% sind wir ein Familienunternehmen. Könnte sich das irgendwann ändern? Nein. Zu den Leitsätzen unseres Unter- nehmens gehört, dass wir ein Famili- enunternehmen bleiben wollen. Lieber bremsen wir unsere Expansion etwas, als dass wir Schnellschüsse wagen. Zu- dem ist es nicht eine Frage des Geldes, wie schnell wir wachsen wollen, son- dern eine des Personals. Bekommen wir nicht die richtigen Fachkräfte, können wir das Leistungsversprechen gegen- über dem Kunden nicht halten. Sie habe die vier Segmente Automotive, Werkzeuge, Entsorgungs- fahrzeuge und Fahrzeugumbauten. Was ist denn die stärkste und zu- kunftsträchtigste Sparte? Nach wie vor der Automobilzulieferbe- reich. Der macht rund 75% des Umsat- zes, also 1,2 Mrd. EUR aus. Das Segment wächst rasant. Klettert, wie prognosti- ziert, die Zahl der verkauften Autos in die- sem Jahrzehnt noch auf 100 Mio., werden wir kontinuierlich wachsen. Das ist in an- deren Segmenten kaum aufzuholen. Ist der Druck auf die Zulieferer in den vergangenen Jahren gestiegen? Er bleibt konstant hoch. Zwar liegt die Wertschöpfung eines Autos zu rund 75% bei den Zulieferern. Doch sind un- sere Kunden diejenigen, die uns führen. Der Wettbewerb unter den Automo- bilproduzenten ist riesig. Deswegen werden wir ständig ins Fitnessstudio gejagt. Ausruhen ist nicht erlaubt. Aber das ist auch in Ordnung so. Wir haben Spaß dabei, uns messen zu lassen. schorr@unternehmeredition.de Wir haben deswegen so viele langlebige Fami- lienunternehmen, weil sie niemals an der Börse waren.

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