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Unternehmeredition 2-2014

Halloren: Mit Schokokugeln auf gutem Weg

| Unternehmeredition Mittelstandsfinanzierung 201422 Eine rote Nelke und eine Schachtel Halloren Kugeln: Nicht nur zum Frauentag war das eines der populärsten Geschenke in der DDR. Doch nach der Wende brachen andere Zeiten an. VON VERENA WENZELIS Z u DDR-Zeiten war die kleine Hal- loren Kugel hochbegehrt, als so- genannte „Bückware“ wurde sie unter der Hand hinter dem Tresen aus- gegeben. Aufgrund der Versorgungs- knappheit war Naschwerk rar. Genau wie Rosen, deshalb wurden Halloren- kugeln meist mit roten Nelken ver- schenkt. Als die Mauer fiel, konnte sich der ausgezehrte Ostmarkt an Westpro- dukten sattessen. Milka und Ferrero hielten Einzug und überschwemmten den Markt. Doch was gut für Schlecker- mäuler war, war Gift für die heimische Industrie. Arbeitsplätze gingen verlo- ren, ganze Branchen brachen in sich zusammen. Auch Halloren stand kurz vor dem Aus. Ein Turnaround muss- te her. Der gelang schließlich, auch weil viele den unverwechselbaren Ge- schmack nicht missen wollten. Aus So- lidarität kehrte die Bevölkerung relativ schnell zu ihren DDR-Klassikern zu- rück. Und so hat das Original bis heute überlebt. Dennoch waren dafür einige An- strengungen nötig. Bereits 1990 war Halloren beinahe insolvent, es dauerte weitere zwei Jahre, bis ein Käufer ge- funden wurde. Paul Morzynski, Wirt- schaftsprüfer und Steuerberater aus Hannover, übernahm den Betrieb für 200.000 DM von der Treuhand. Gleich- zeitig verpflichtete er sich zu weitrei- chenden Investitionen. Er steckte 25 Mio. DM in den Hauptstandort in Halle und stellte eine der modernsten Scho- koladenfabriken Europas auf die Beine. Doch der Erfolg wollte nicht so wirk- lich kommen. Erst als Klaus Lellé ins Unternehmen kam, ging es voran. Der gebürtige Pfäl- zer hatte die Kraft der Marke Halloren erkannt. Er kannte sich gut aus in den neuen Bundesländern, seit Mitte der 90er Jahre war er Geschäftsführender Gesellschafter der Teigwarenfabrik Rie- sa – seinerzeit Zeit die größte der DDR. Als die Gesellschafter von Halloren 1997 an ihn herantraten, musste er nicht lan- ge überlegen: „Aus Halloren konnte man nicht nur, da musste man auch etwas machen“, erzählt der 54-Jähri- ge heute. Er verkaufte seine Anteile an Riesa und stieg als Geschäftsführender Gesellschafter ein. „Ein Traumjob“, ist er bis heute überzeugt. Lellé besann sich auf Halloren als DDR-Kultmarke und ließ andere his- torische Produkte aufleben. Auch die Mitarbeiter zogen alle an einem Strang. Da für klassische Werbung schlicht- weg kein Geld da war, gab es aufwän- dige Promotion-Aktionen. Schon kurz nach der Wende hatten sie kurzerhand selbst den Vertrieb übernommen und luden den Kofferraum mit Halloren Ku- geln voll. So ging es wieder rund bei Halloren: 1997 lag der Umsatz bei unter 10 Mio. EUR, von da an stieg er um jähr- lich knapp 20%. Wechselvolle Geschichte Kreativität mussten die Halloren- Mitarbeiter schon immer beweisen. Allein um die wechselvolle Geschich- te zu überstehen. Die Ursprünge der Fabrik gehen zurück auf das Jahr 1804. Deshalb darf sie sich älteste noch produzierende Schokoladefabrik ZUR PERSON Klaus Lellé ist gelernter Banker mit Studium zum Bankfachwirt. Nachdem er elf Jahre im Großbankenbereich gearbeitet hatte, kam er 1988 zur Schokoladen- und Süßwarenindustrie. Erst in seiner Heimatregion Pfalz, ab 1993 dann im sächsischen Riesa. Auf ihn geht die Besinnung Hallorens als DDR-Kultmarke zurück. Er entwickelte zusätzliche Geschmacksrichtungen und ließ andere historische Produkte aufleben. Mittlerweile befinden sich 180 Produkte im Sortiment. Auch die starke Kapitalmarktorientierung bei Halloren ist das Verdienst von Lellé. Für ihn bietet sie optimalen Finanzierungs- spielraum für die weitere Expansion. Die soll vor allem durch Zukäufe und eine verstärkte Internationalisierung erfolgen. Die Kugel und die Nelke Unternehmerwelt Dynastie

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