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Unternehmeredition 2-2014

13Mittelstandsfinanzierung 2014 Unternehmeredition | Bonds bei 100 Mio. EUR, sollte das EBIT- DA mindestens 25 Mio. EUR betragen. „Große Familienunternehmen bie- ten Anlegern mit ihren Anleihen ak- tuell durchaus vernünftige Konditio- nen“, sagt Nespethal. Bonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren, die über ein Rating im unteren Investmentgrade verfügen, können aktuell Kupons von durchschnittlich drei Prozent aufru- fen. Dieses Renditeversprechen müs- sen Unternehmen, die Fremdkapital über Anleihen aufnehmen, auch einhal- ten können. „Wer seinen Bond in den Prime Standard für Anleihen der Deut- schen Börse aufnehmen lassen will, muss zudem hohen Transparenzanfor- derungen genügen“, erklärt Nespethal. Dazu gehören ein EU-anerkannter Wertpapierprospekt, ein Anleihe- oder Emittentenrating ebenso wie regelmä- ßige Veröffentlichungen von Jahres- und Zwischenabschlüssen. Für große Familienunternehmen wie Haniel ist das weniger kompliziert. Mittelständ- ler mit Umsätzen von unter 100 Mio. EUR Umsatz im Jahr hingegen tun sich mit diesen Anforderungen schwer. Zu wenig Kontrolle Ganz anders sieht die Sache in den so- genannten Mittelstandsegmenten der deutschen Börsen aus. Anleihen mit Zinskupons von bis zu 10% sind hier keine Seltenheit. Die Frage, ob Anle- ger tatsächlich in den Genuss dieser exorbitanten Renditen kommen, steht auf einem anderen Blatt. Denn für die Aufnahme in ein Mittelstandssegment sind keine strengen Qualitätsvor- schriften zu erfüllen. Im März hat der Lebensmittelhersteller Zamek, dessen Bond im Mittelstandssegment der Bör- se Düsseldorf notiert war, Insolvenz angemeldet. Anleger bangen nun um Einlagen in Höhe von insgesamt 45 Mio. EUR. Eine von mehreren Pleiten im Be- reich der Mittelstandsbonds. „Unzu- reichende Transparenzvorschriften“, bemängeln Anlegerschützer und un- abhängige Resarch-Unternehmen. „Die BaFin kann Emissionsprospekte ledig- lich auf formale Kriterien hin prüfen“, sagt Heinz Steffen, Partner beim Ana- lystenhaus Fairresearch. Eine inhaltli- che Prüfung findet nicht statt. „Es ist es daher kein Wunder, dass es zu Ausfällen kommt.“ Steffen hatte bereits Mitte 2011 vor den Risiken der neuen Mittelstands- segmente gewarnt und deutlich stren- gere Zulassungskriterien gefordert. Ralph Heuwing, Finanzvorstand beim börsennotierten Maschinenbau- er Dürr AG, ist mit der Entwicklung der Anleihe seines Unternehmens trotzdem sehr zufrieden. „Wir waren 2010 im gerade gegründeten Segment für Mittelstandsanleihen Bondm an der Börse Stuttgart die „First Mover“, sagt er. In der Tat war die Anleihe das erste Papier, das im neuen Stuttgarter Mittelstandssegment notierte. Mit ei- nem Emissionsvolumen von 150 Mio. EUR und einem Zinskupon von 7,25% löste die Dürr AG eine bestehende Anleihe ab. Nicht zuletzt trug die auf Privatanleger ausgerichtete Stücke- lung von 1.000 EUR zum Erfolg des Pa- piers bei. „Die Emission war vierfach überzeichnet und der hervorragende Kursverlauf hat uns dazu motiviert, die Anleihe um weitere 75 Mio. EUR aufzustocken“, sagt Heuwing. Heute würde Heuwing allerdings keinen Bond mehr in einem Mittel- standssegment emittieren. „Unsere Er- trags- und Finanzstruktur ist so stark, dass wir gerade eine Anleihe mit ei- nem größeren Emissionsvolumen und einem deutlich niedrigeren Kupon als Corporate Bond begeben konnten“, sagt er. Damit hat Dürr auch institu- tionelle Investoren angesprochen, die – anders als 2010 – inzwischen Dürr als Qualitätsunternehmen einstufen und einen hohen Anlagedruck haben. Zudem sieht auch Heuwing, dass die Börse Stuttgart mit dem Bondm so- wie alle anderen deutschen Börsen, die längst ebenfalls Mittelstandsseg- mente aufgebaut haben, Fehler in der Kontrolle des Marktzugangs gemacht haben. „Wenn Geschäftsmodelle der Unternehmen nur unzureichend auf de- ren Nachhaltigkeit geprüft werden und durch den Wettbewerbsdruck unter den Börsen zu viele Emissionen zuge- lassen werden, muss es zu Problemen kommen“, sagt er. Verschobene Zins- zahlungen oder – noch schlimmer – die Insolvenz mehrerer Emittenten schade- ten dem Ruf des gesamten Segments, das doch so hoffnungsvoll gestartet war. Haniel-Finanzchef Gros bringt es auf den Punkt: „Grundsätzlich sind Mittelstandsanleihen eine interessante Idee, um Unternehmen mit mittlerem Finanzierungsbedarf eine Alternative zu Bankkrediten zu bieten“, erklärt er. „Niedrige Qualitätsstandards fördern das Vertrauen der Anleger aber nicht gerade.“ Hier sei unbedingt mehr Kon- trolle nötig. Für eine entsprechende Liquidität ist eine gewisse Größe der Aktienemis- sion erforderlich. DR. FRANZ-JOSEF LEVEN Direktor des Deutschen Aktieninstituts Mittelstandsfinanzierung Titel

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