Qualitätsaktien und Nullzins

Jetzt helfen nur noch Qualitätsaktien: Zum ersten Mal seit dem Bestehen der Währungsunion und der Bundesrepublik Deutschland liegt der wichtigste Leitzins bei null. Eine Rendite über Anleihen ist so nicht mehr möglich.

Selektion mit Weitsicht und Kontrolle

Wie aber kann man Qualitätsaktien, die dies auch über längere Zeit zu bleiben versprechen, verlässlich identifizieren? Und mindestens genauso wichtig: Wie kann man früh genug feststellen, wann das Geschäftsmodell eines Unternehmens oder einer Branche im Begriff ist, das Prädikat „Qualitätsinvestment“ zu verlieren? Es gilt, die Sprengkraft auf bestehende Geschäftsmodelle, die von disruptiven Technologien, Veränderungen von regulatorischen Rahmenbedingungen oder Marktverschiebungen ausgeht, frühzeitig zu erkennen und richtig einzuordnen – um dann mit Konsequenz die entsprechenden Umschichtungen im Portfolio nachzuziehen. Dafür bedarf es eines fundamentalen Verständnisses der unterschiedlichen Industrien und Märkte, und mehr noch: der Fähigkeit, Geschäftsmodelle zu verstehen und sie immer wieder auf ihre Zukunftsfähigkeit hin überprüfen zu können.

Qualitätsaktien für den Vermögenserhalt

Die eigentliche Arbeit des Vermögensverwalters beginnt, wenn die Analyse über die Kennzahlen hinausgeht. Denn erst wenn das Geschäftsmodell durchleuchtet und verstanden wurde, in einem persönlichen Dialog mit dem Unternehmen das Management seine Qualitäten unter Beweis gestellt hat und die Tragfähigkeit und Krisenfestigkeit des Unternehmens sich auch unter widrigen Umständen erwiesen hat, ist das Prädikat Qualitätsaktie angebracht. Aber auch nur so lange, wie die fortlaufende Analyse nicht zu anderen, die künftige Solidität infrage stellenden Ergebnissen kommt.

Fazit

Ein Portfolio aus wahren Qualitätsaktien im oben definierten Sinn hat das Potenzial, im aktuellen Nullzinsumfeld einen zuverlässigen Vermögenserhalt zu bieten – und durch eine attraktive Dividendenrendite in der Regel auch mehr als das. In einer Welt ohne Zinsen ist das die gute Nachricht: Beachtet man die genannten Grundregeln, dann kann ein Aktienportfolio auch in Krisenzeiten zum sicheren Vermögenserhalt beitragen und klassische Anlageformen wie Anleihen oder Festgeld ersetzen.


Zu den Personen

Dr.Reinhard Krafft und Johannes Day (© Rothschild)
(© Rothschild)

Dr. Reinhard Krafft ist seit 2011 Geschäftsführer der Rothschild Vermögensverwaltungs-GmbH in Frankfurt am Main. Johannes Day ist seit 2003 Leiter des Portfoliomanagements in Deutschland sowie Mitglied der Geschäftsleitung und Mitglied im Global Investment Committee der Rothschild Gruppe. www.wealthmanagementandtrust.rothschild.com