Das Family Office: Ein Phänomen mit sieben Siegeln

Christoph Weber ist geschäftsführender Gesellschafter des WSH Family Office in Düsseldorf, das er 1999 mit zwei Unternehmern als klassisches Multi Family Office für die Gründerfamilien sowie eine begrenzte Anzahl weiterer Unternehmerfamilien gründete. Seit vielen Jahren hat er sich im Dialog mit der Wissenschaft der Aufklärungsarbeit über das Institut des Unternehmer-Family-Office verschrieben.

Unzweifelhaft bietet das Institut des Family Office gerade für Unternehmerfamilien einen großen Mehrwert bei der Steuerung des eigenen Privatvermögens. In Anlehnung an das eigene Unternehmen und dessen Führungsstrukturen stellt es von seiner Grundidee her quasi das Management, die Controllingabteilung, den Einkauf, die Buchhaltung und das Sekretariat in einem dar. Zudem sind das hauseigene Family Office und seine Mitarbeiter einzig den Interessen der Unternehmerfamilie verpflichtet. Das Phänomen „Family Office“ ist aber den meisten Unternehmerfamilien noch völlig unbekannt oder zumindest ein „Buch mit sieben Siegeln“.

Vor vielen Jahren als Antwort auf die zunehmende Provisionsorientierung vieler Banken und als gutes und ehrliches Modell interessenkonfliktfreier Steuerung großer Familienvermögen aus den USA importiert, hat die Umsetzung der Grundidee des „Family Office“ in Deutschland mittlerweile einen Facettenreichtum unterschiedlichster Angebotsstrukturen diverser Finanzdienstleister erreicht. Aber nicht überall, wo Family Office draufsteht, ist auch noch viel vom Ursprungsprinzip erhalten geblieben.


Der Begriff „Family Office“

Für den Begriff „Family Office“ gibt es in Deutschland keine gesetzliche Definition. Laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) handelt es sich um ein Finanzdienstleistungsinstitut egal welcher Rechtsform, dessen Geschäftstätigkeit auf die bankenunabhängige Verwaltung großer Privatvermögen ausgerichtet ist. Der Begriff ist nicht geschützt. Es gibt keinen Verband, der klare Definitionsmerkmale vorgibt und die Interessen der Verbraucher wahrnimmt. Bekannterweise wird der ursprünglich aus den USA stammende Begriff „Family Office“ mittlerweile im deutschen Finanzdienstleistungssektor vielseitig verwendet. Die Anzahl der von den Familien selbst gegründeten Family-Office-Strukturen (sog. Single Family Offices) tritt gegenüber dem Kreis gewinnorientierter Finanzdienstleistungsanbieter, die vieles andere unter gleichem Namen verkaufen, immer mehr in den Hintergrund.

Ursprung und Entstehung

Das moderne Konzept des Family Office entstand 1838 in den USA mit Gründung des „House of Morgan“ durch J. P. Morgan. Zunächst war das Family Office nur auf die Familie Morgan und deren Vermögensstrukturen ausgerichtet – als klassisches Single Family Office. Später betreute man aber auch andere vermögende Familien. Es folgten die Guggenheims, du Ponts, Astors oder die Vanderbilts. Es entstand das Multi Family Office. 1882 wurde von John D. Rockefeller das familieneigene Rockefeller Family Office gegründet, das bis heute existiert und auch andere Familien betreut. 1907 gründete Henry Phipps das „Bessemer Trust Management“, das ebenfalls zunächst familieneigenes und später auch fremdes Vermögen verwaltete.