Einst als Plage der deutschen Wirtschaft verschrien, leben Mittelständler und Private Equity-Gesellschaften heute oftmals in einer Symbiose, weil sich die Branche auf die hiesige Unternehmenskultur eingestellt hat. Doch aktivistische Investoren sind dabei, den Imagewandel in der Öffentlichkeit zu torpedieren. 

Heuschrecke ist nicht gleich Heuschrecke

Zurück ins Geburtsjahr der Heuschrecke, 2005: Als Sauerländer hatte sich Franz Müntefering damals vor allem über den Fall der Firma Grohe aus Hemer aufgeregt. Nach dem Einstieg des amerikanischen PE-Fonds Texas Pacific Group (TPG) 2004 standen dort Massenentlassungen ins Haus. Die Geschichte des Unternehmens zeigt heute sehr gut die zwei Gesichter von Private Equity – das profit- und das wachstumsorientierte. Grohe war 1998 von der Familie Grohe an den britischen Finanzinvestor BC Partners in einem klassischen LBO verkauft worden. Der neue Eigentümer bürdete Grohe den Schuldendienst für den größtenteils fremdfinanzierten Kaufpreis auf. Grohe verlor in der Folge seine Innovationsführerschaft auf dem Markt für Sanitärarmaturen.


2004 dann verkaufte BC Partners Grohe an TPG. „In Grohe war nicht mehr investiert worden, aber BC Partners hat an dem Exit ordentlich verdient“, kritisiert Michael Rauterkus, der 2006 zu Grohe kam und heute dort CEO ist. Doch TPG habe Grohe dann eine Wachstumsstrategie verpasst und auf Wertsteigerung gesetzt. Mit Erfolg. „Wir haben es auch dank PE geschafft, zur globalsten Marke in der Sanitärindustrie zu werden“, resümiert Rauterkus. 2014 verkaufte TPG Grohe an den japanischen Baustoffhersteller Lixil, der dem Unternehmen seine Eigenständigkeit gelassen hat. „Die Stellenstreichungen, die damals Kritik ausgelöst hatten, waren einfach notwendige Strukturanpassungen“, blickt CEO Rauterkus zurück. „Alles dreht sich darum, Unternehmenswert zu schaffen und sich jeden Tag bei

jeder Entscheidung zu fragen, was sinnvoll ist und was nicht. Wer das nicht will, der sollte die Hände von Private Equity lassen.“

Nach 2005 ist 2018 ein neues Jahr der Heuschrecken. Ein aktuelles Beispiel entfacht die Debatte von Neuem. Beim Industriekonzern Thyssen-Krupp stehen mit dem schwedischen Finanzinvestor Cevian und dem US-amerikanischen Hegefonds Elliott zwei multinationale Finanzinvestoren im Fokus, die den Konzern schnell auf Rendite trimmen wollen und dabei wohl auf eine Zerschlagung abzielen. Beide gehören zur Gruppe der sogenannten aktivistischen Investoren, die in den USA bereits mehrere Unternehmen kontrollieren und auch in Deutschland mehr und mehr Fuß fassen. Ihre Strategie ist es, über börsliche Minderheitsbeteiligungen und Netzwerkpflege einen enormen Druck auf die Unternehmensführung auszuüben, bis hin zum Rücktritt des CEO.