Die Masse der Unternehmer mit Migrationshintergrund in Deutschland ist so heterogen wie Deutschland selbst. Dabei haben sich Selbstständige mit Migrationshintergrund nicht nur zum unverzichtbaren Element der Nahversorgung in Ballungsräumen entwickelt, sondern werden auch zu einem immer wichtigeren Teil im wissensintensiven und im produzierenden Gewerbe – oder kurz im berühmten deutschen Mittelstand. 

Benötigtes Potenzial


Ähnliche Geschichten wie seine können im Moment zu Hunderttausenden in Deutschland erzählt werden. Das Thema Flüchtlinge beschäftigt das ganze Land seit nunmehr über einem Jahr. „Ich glaube, was passiert ist, ist unsere größte Chance“, sagt Jelveh. Nadine Förster geht noch weiter. „Die Meinungen von Migrationsforschern, dass wir mindestens 500.000 Menschen gut integrieren müssen, um den Lebensstandard zumindest annähernd halten zu können, ist bekannt. Es wird im öffentlichen Diskurs jedoch weithin ausgeklammert.“ Abdulla Altun hat versucht, auch Flüchtlingen eine Chance in seinem Unternehmen zu geben. Bisher ohne Erfolg, erzählt er enttäuscht.Obwohl er sich von Anfang an mit örtlichen Behörden und Sozialträgern zusammengesetzt hätte, fehlten bei den bisherigen Interessenten sogar diejenigen Grundbedingungen, die er lediglich für ein Praktikum voraussetzen würde.

Grafik-Migrationshintergrund
Quelle: © Bertelsmann Stiftung 2016

Doch nicht nur aufseiten der Asylbewerber fehlt noch oft die nötige Basis, um am Arbeitsmarkt bestmöglich teilzunehmen. Auch an institutioneller Stelle fehlen häufig die Voraussetzungen, um die Potenziale der Zuwanderer besser nutzen zu können. Gerade Migranten, die bereits in ihren Heimatländern unternehmerische Erfahrungen sammeln konnten, müssten spezifischer unterstützt werden, fordern die beiden Experten Schmidt und Förster.„Aktuell haben wir viel zu tun, aber manchmal träume ich davon, dass in 20 Jahren belächelt wird, welche Zugangshürden wir im Moment noch bearbeiten“, sagt Förster. Abduallah Altun wird sein Möglichstes dafür tun. Seine beiden Söhne studieren noch. Im Unternehmen arbeiten beide trotzdem bereits. Ob sie einmal übernehmen werden, weiß er nicht. „Sie müssen nicht. Jeder sollte da arbeiten können, wo er sich am glücklichsten schätzt.“