Beste Voraussetzungen: Digitalisierung bei deutschen Familienunternehmen (© fotolia/Kzenon)
Beste Voraussetzungen: Digitalisierung bei deutschen Familienunternehmen.

Beste Chancen für die Herausforderung Digitalisierung: Innovationsfreude und ein langer Atem sind Schlüsselfaktoren des „Deutschen Mittelstands“. Diese gilt es zu nutzen.

Der „Dieselgate“ führt aktuell vor Augen, wie schnell eine bewährte Technologie ins Abseits geraten kann; der zusammengebrochene Markt für CDs als physische Tonträger brachte die auf Presswerke spezialisierten Maschinenbauer in große Bedrängnis. Der „Thermomix“ steht hingegen stellvertretend für neue Innovationen mit einem direkten Nutzen für den Kunden – entwickelt von einem mittelständischen Familienunternehmen. Solche Innovationen werden durch die fortschreitende Digitalisierung häufiger, schneller und erreichen marktverändernde Dimensionen. Dies betrifft nicht nur die Vernetzung der Produktionsmaschinen und -abläufe. Robotik und 3-D-Druck eröffnen völlig neue Möglichkeiten dezentraler Produktion. Gleichzeitig steigt der Konsumentenwunsch nach Individualisierung. Abheben von der Masse, das zeigt sich nicht nur am Erfolg von Handy-Schutzhüllen, sondern wird vermehrt auch individuelle Gestaltung von Fahrzeugen, Möbeln und anderen Konsumgütern betreffen. Lohnkosten für Fließbandarbeit wird ersetzt werden durch Gehälter für hoch qualifizierte IT-Ingenieure. Auch Kundenservice und ergänzende Dienstleistungen rund um die Produkte gewinnen an Bedeutung.


Innovation und Erfahrung

Der deutsche Mittelstand hat beste Voraussetzungen, um die Abwanderung von Wertschöpfungspotenzialen in Niedriglohnländer wieder umzukehren. Die Zukunft liegt in einer flexiblen Produktion mit kurzen Transportwegen. Der Kunde verlangt vermehrt individuelle Produkte mit kurzer Lieferzeit. Gerade in der Spezialisierung auf ein komplexes Nischenprodukt, welches dann weltweit vermarktet wird, liegt eine der Stärken des deutschen Mittelstands. Die jahrzehntelange Erfahrung mittelständischer Unternehmen im Ertüfteln der besten Lösung und das Know-how mit maschineller Hochtechnologie verschaffen dem deutschen Mittelstand einen großen Vorteil gegenüber „Newcomern“ ohne echte eigene Produktionsvergangenheit. Hinzu kommt: Mittelständische Familienunternehmen verfügen als langjährige, verlässliche Zulieferer über vertrauensgeprägte Kundenbeziehungen und können aus diesem engen, oftmals sehr persönlichen Kontakt wertvolle Innovationsimpulse im Hinblick auf (End-)Kundenwünsche und sich ändernde Anforderungen generieren.

Entscheidungskultur in Familienunternehmen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor in Familienunternehmen ist die Schnelligkeit unternehmerischer Entscheidungsprozesse. Dies gilt insbesondere, wenn damit eine neue strategische Ausrichtung verbunden ist. Die Entscheidungen werden aber auch nachhaltiger verfolgt. Denn das klassische Familienunternehmen ist nicht von Börsenkursen und Quartalsberichten abhängig. Familienunternehmen denken in Generationen. Damit besitzen sie das Potenzial, grundlegend revolutionäre Ideen, etwa neue Materialien oder Fertigungstechniken, über Durststrecken hinweg voranzutreiben und so auch neue Märkte zu entwickeln. Zur größeren Entscheidungsfreiheit gehört aber auch, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und nicht jedem Trend folgen zu müssen.