Mit dem Wettbewerb „Top 100“ zeichnet Compamedia jedes Jahr die 100 innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand aus. Im Interview spricht Prof. Dr. h c. Lothar Späth über die Bedeutung eines guten Innovationsmanagements, Erfolgsrezepte der ausgezeichneten Unternehmer sowie die Bedeutung von Private Equity bei der Innovationsfinanzierung.

Unternehmeredition: Herr Prof. Dr. Späth, Sie sind Mentor des Wettbewerbs „Top 100 – Die 100 innovativsten Unternehmen im Mittelstand“. Was bedeutet dieses Gütesiegel für mittelständische Firmen in Deutschland?
Späth: Die Auszeichnung bietet den Innovatoren ein wichtiges Marketinginstrument. Denn trotz herausragender Leistungen ist deren Innovationskraft oft nicht entsprechend bekannt. Die Werbe- und PR-Etats der Mittelständler lassen groß angelegte Kampagnen häufig nicht zu. Mit dem Gütesiegel haben die „Top 100“ die Möglichkeit zu zeigen, was sie können. Außerdem bietet die Auszeichnung die Chance, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und zu vernetzen. Schließlich dient die Teilnahme auch dazu, noch besser zu werden. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Analyse, die der Auszeichnung vorausgeht, zeigt den Unternehmen auf, wo sie noch optimieren können. Das Gütesiegel steht für zupackende und zielstrebige Mittelständler. Für Unternehmen, die nicht den Trends hinterherlaufen, sondern neue setzen.

Unternehmeredition: Warum ist gutes Innovationsmanagement so wichtig?
Späth: Wir leben in einer Welt, in der Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen einander immer ähnlicher werden. Erfolgreiche Innovationen bekommen damit eine elementare Bedeutung. Denn ohne Konkurrenzvorteil ist keine Bestandssicherung und kein Wachstum möglich. Zugleich setzen der steigende Preisdruck, die wachsende Anzahl an Innovationen im Wettbewerb und die zunehmende Geschwindigkeit, mit der sie eingeführt werden, die Unternehmen unter einen enormen Druck. Aus diesem Grund ist ein zielgerichtetes und systematisches Innovationsmanagement entscheidend für das wirtschaftliche Überleben. Die „Top 100“-Unternehmen zeigen das: Sie erwirtschaften im Jahr 2010 48,4% ihres Umsatzes mit Marktneuheiten und innovativen Verbesserungen der vergangenen drei Jahre. Bei durchschnittlichen deutschen KMUs sind das nur 9,96%, wie die Zahlen des ZEW-Berichts zum Innovationsverhalten der deutschen Wirtschaft 2009 zeigen. Ein systematisch aufgebautes Innovationsmanagement lohnt sich also.

Unternehmeredition: Worin liegen die wesentlichen Erfolgsrezepte der 100 innovativsten Unternehmen im Mittelstand?
Späth: Die „Top 100“ haben verstanden, dass Innovation eine Daueraufgabe ist, und sie geben sich mit dem Status quo nie zufrieden. Es gelingt ihnen, die vielen Faktoren, die zu erfolgreichen Innovationen führen, als Ganzes im Blick zu haben und immer wieder zu optimieren. Denn Innovationen entstehen nicht aus einem einzelnen großen Wurf, sondern aus einer Vielzahl von kleinen Schritten, die in ihrer Gesamtheit zum Erfolg führen. Ein motivierender Chef, Freiraum und finanzieller Spielraum für neue Ideen, ein strukturierter Rahmen für die Ideen und ein versiertes Marketing, das mit einbezogen wird – das sind auf den Punkt gebracht die wesentlichen Erfolgsrezepte.

Unternehmeredition: Welche Bedeutung spielt Private Equity bei der Innovationsfinanzierung des deutschen Mittelstandes?
Späth:
Gegenwärtig im Gegensatz etwa zu den USA eine relativ geringe. Viele Unternehmensgründer versuchen mit dem privaten Spar- und Risikokapital ihren Aufbau zu finanzieren. Auch Bankdarlehen und Fördermittel oder Bürgschaften sind Finanzierungsmittel. Ich bin aber sicher, dass in den nächsten Jahren immer mehr private Investoren, Investmentfonds und andere Beteiligungsgesellschaften dynamischen und Erfolg versprechenden Unternehmen auch Risikokapital zur Verfügung stellen. Wichtig ist, dass die Unternehmen transparent, ihre Zahlen und Konzepte glaubwürdig und belastbar sind.

Unternehmeredition: Herr Prof. Dr. Späth, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Prof. Dr. h.c. Lothar Späth
Prof. Dr. h.c. Lothar Späth ist seit 2003 Mentor des Projekts „Top 100“ und Herausgeber des gleichnamigen Buchs „Top 100 – Die 100 innovativsten Unternehmen im Mittelstand“. Mit seinem Engagement möchte er ein Signal für den Aufbruch geben, denn nach Späths Meinung braucht Deutschland die Bewegung und den Blick nach vorne. Späth war u.a. Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg sowie Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender bei der Jenoptik AG. Im Mai 2005 übernahm er den Vorsitz der Geschäftsführung bei der Investmentbank Merrill Lynch in Deutschland und Österreich. www.top100.de

Innovator des Jahres 2010 nutzt Private Equity: Rena GmbH
Die Rena GmbH ist jüngster Gewinner des Titels „Innovator des Jahres’“. Am 1. Juli 2010 nahm Geschäftsführer Jürgen Gutekunst (Mitte) den Preis aus den Händen von Prof. Dr. Lothar Späth (2.v.r.) entgegen. Mit dabei: (v.l.) Joachim Schuble (Geschäftsführer des Organisators Compamedia), Moderatorin Judith Rakers und der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Prof. Dr. Nikolaus Franke. Auch der „Innovator des Jahres“ 2010 nutzte erfolgreich das Finanzierungsinstrument Private Equity. Das eigentümergeführte Hightech-Unternehmen aus Gütenbach im Schwarzwald entwickelt und produziert Maschinen für nasschemische Prozesse unter Reinraumbedingungen für die Photovoltaik- und Halbleiterindustrie sowie für die Mikrosystem- und Medizintechnik. Heute ist Rena Weltmarktführer für nasschemische Prozessschritte bei der Herstellung von Solarzellen. Das 1993 gegründete Unternehmen prognostiziert für 2010 mit seinen 980 Mitarbeitern einen Umsatz von 200 Mio. EUR. Es hält mehr als 350 internationale Patente und hat seit 2006 mehr als 100 Neuerungen auf den Markt gebracht. Mit Marktneuheiten und innovativen Verbesserungen der vergangenen drei Jahre erwirtschaftete Rena 90% ihres Umsatzes.