Skepsis gegenüber dem Massenkredit

Crowdlending gilt als schicke Alternative zum Kredit bei der Hausbank. Vor allem Technologiefirmen finden hier Geldgeber. Doch der Markt kommt nur schwer in Gang. Mittelständler tingeln immer noch lieber zur Hausbank. Dabei können Mischformen der Kreditfinanzierung durchaus sinnvoll sein.

Story statt Bürgschaften

KPMG-FinTech-Expertin Irene Pitter sieht in der Bereinigung einen normalen Prozess. Zu Beginn des Fintech-Hypes strömten viele Anbieter auf den Markt. Nicht alle sind aber hinsichtlich Prozesstechnik und Vermarktung Profis und geben deshalb wieder auf. Andere werden von Banken gekauft. Laut einer Studie von Roland Berger ist das sogar ein erklärtes Ziel. 86 Prozent der Finzechs wollen mit etablierten Finanzdienstleistern kooperieren. Dieses Interesse bestätigt auch Wolfgang Kirsch, Vorstandschef der DZ Bank, im Rahmen des Münchner Managementkolloquiums Mitte März: „Die Fintechs machen uns ganz schön Feuer. Es macht Sinn, mit ihnen zusammenzuarbeiten.“

Online-Kapitalmarktplätze unterscheiden sich im Kern zur klassischen Bankfinanzierung. Wo Banker Grundschulden, Sicherungsübereignungen und persönliche Bürgschaften verlangen, reicht manchem privaten Geldgeber eine glaubhafte Story. „Statt Sicherheiten zu kassieren, wollen die Leute an das Projekt glauben“, sagt Christopher Grätz, CEO von Kapilendo. Kreditalternativen über die Crowd sind vor allem geeignet, Gebäude, Maschinen oder Werkzeuge für das Wachstum zu finanzieren. Auch digitale Projekte stehen ganz oben. Ganz im Gegensatz zur Prioritätenliste geldgebender Banken. Wenn Investitionen nicht ratiogetrieben sind, tun sich Geldhäuser mit der Kreditvergabe schwer – „Emotionen sind den Banken nicht erlaubt“, betont KPMG-Expertin Pitter.

Plattform als Marketinginstrument

Erkennen Firmeninhaber, dass die Finanzierung nicht mehr hinter verschlossenen Türen verhandelt, sondern über die Portale sogar als Marketinginstrument eingesetzt werden, kann ein Umdenken stattfinden – auch bei Mittelständern.

Jurek Voelkel vom gleichnamigen Biosaft-Hersteller kann das bestätigen. Die Niedersachsen haben 1,5 Mio. Euro über die auf mittelständische Firmen spezialisierte Crowdinvesting-Plattform Finnest eingesammelt. Rund 200 private Investoren überwiesen zu Jahresbeginn Geld für den Kauf einer Abfüllstraße für Mehrwegflaschen. Eine rentable Anlage: Fünfeinhalb Jahre lang bezahlen die Saftproduzenten mit 80-jähriger Firmenhistorie einen Zinssatz von jährlich drei bis fünf Prozent.