Unternehmen sind begehrt, die Preise schießen weiter durch die Decke. Die Frage ist, ob sich jetzt noch ein Kauf lohnt oder die Baisse kurz bevorsteht. Vier Experten klären auf, für welchen Käufer sich eine Akquisition noch lohnt.

Lars Härle


Ja und nein. Sicherlich sind die Finanzinvestoren aufgrund des günstigen Zinsumfelds in der Lage, höhere Kaufpreise im Vergleich zu anderen Käufergruppen zu zahlen, die überwiegend mit Eigenkapital ihre Transaktionen finanzieren. Auf der anderen Seite ist das Leverage-Niveau für bestimmte Branchen nicht mehr so hoch wie vor einigen Jahren, da die Banken nicht mehr so risikofreudig agieren. Zudem fehlen interessante Spin-offs von großen Konzernen, sodass die Transaktionen derzeit von Secondaries zwischen den Finanzinvestoren dominiert werden.

Welche Bedeutung haben Family Offices inzwischen bei Transaktionen im Mittelstand? 

Mark Miller

Family Offices sind eine feste Größe unter den Investoren. Familienunternehmen lieben Family Offices, nehmen sie doch viele Gemeinsamkeiten wahr. Allerdings sind Family Offices bei der Unternehmensbewertung mitunter nicht so ambitioniert. Sie stellen den Kapitalerhalt in den Vordergrund und investieren am liebsten in sichere Branchen, in denen sie sich auskennen. Bei echten Wachstumsbranchen wie Software und Technologie bleiben sie häufig außen vor. Aber auch da gibt es Ausnahmen. Das ist das Schöne an Family Offices: Das ist Family Business, nicht Institutional Investment.


„Family Offices gehen professionell vor und bezahlen faire Kaufpreise“

Holger Habermann

 

 


 Holger Habermann

Die Family Offices gewinnen auch für unsere Mandanten zunehmend an Bedeutung, da sie mangels guter Targets innerhalb von Buy-and-build-Strategien auch kleinere Unternehmen kaufen und dadurch Synergien schaffen. Diese Käufergruppe ist für unsere Unternehmer sehr interessant, da die Betriebe meist langfristig weitergeführt werden und sich gut entwickeln. Außerdem gehen die Family Offices meist professionell vor und bezahlen faire Kaufpreise.

Dr. Lutz Becker

Die Anzahl der Family Offices und deren Professionalisierungsgrad haben sich in den vergangenen fünf Jahren signifikant erhöht. Direktbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen und ganze Übernahmen sind für diese Häuser in aller Regel sehr interessant und haben zugenommen. Dennoch bleibt die Anzahl der konkreten Fälle hinter den Erwartungen zurück. Dies ist unserer Meinung nach begründet in den besonderen Entscheidungsstrukturen in Family Offices. Auch ist die Zahlungsbereitschaft niedriger als bei Private Equity.

Lars Härle

Family Offices sind bei Transaktionen im Mittelstand insbesondere mit einem Transaktionsvolumen bis zu 100 Mio. Euro zunehmend stärker vertreten. Der große Pluspunkt liegt in der langfristigen Ausrichtung, da Family Offices nicht aus einem zeitlich befristeten Fonds heraus investieren und daher keinen Exit-Druck haben. Die flexiblen und individuellen Lösungsmöglichkeiten machen sie als Investoren attraktiv.