Abspaltung riskanter Geschäftsbereiche: Das Prinzip Ring Fencing kann auch für Mittelständler und Familienunternehmen in bestimmten Situationen Sinn machen.
Abspaltung riskanter Geschäftsbereiche: Das Prinzip Ring Fencing kann auch für Mittelständler und Familienunternehmen in bestimmten Situationen Sinn machen.

Ab 2019 müssen die britischen Kreditinstitute sogenannte Ring Fencing-Regeln umsetzen. Das bedeutet konkret: Die Banken sind verpflichtet, ihr Filialgeschäft vom riskanten Investment Banking abzutrennen. Mittelständler können sich von dieser Vorgehensweise einiges abschauen.

In naher Zukunft gelten für Banken  in Großbritannien neue Regeln: Sie sollen das klassische Kreditgeschäft auf neu gegründete Tochtergesellschaften übertragen, sie mit einer selbständigen Kapitalausstattung und Risikokontrolle versorgen. Der Vorteil: Gerät das riskante Investmentbanking in die Krise, werden existenzielle Probleme im Konzern vermieden, da das volkswirtschaftlich bedeutsame Filialgeschäft unabhängig fortgeführt werden kann. Was für Banken funktioniert, kann durchaus auch auf Mittelständler und Familienunternehmen in bestimmten Unternehmenssituationen übertragen werden.  Beispiele:

  • die Abspaltung von Verlustbringernvom gesunden Kerngeschäft,
  • die Trennung von Werttreibern und Wertvernichtern wie  etwa Geschäftsfelder mit höherer Mittelbindung, die den Unternehmenswert mindern, oder
  • die Separierung von Geschäften, die ein höheres Risikoprofil als das Kerngeschäft aufweisen wie beispielsweise Venture Aktivitäten.

Herausforderung bei der Identifikation solcher Geschäftsfelder: Verlustquellen oder Wertvernichter sind nicht zwangsläufig Tochtergesellschaften oder Beteiligungen. Häufig verstecken sie sich auch in Business Units, Standorten, Werken, Filialen oder Produktsortimenten.

Ring Fencing ist kein Tagesgeschäft

Es gehört sicherlich nicht zum Tagesgechäft, eine wertorientierte Portfoliosteuerung von Geschäften und Strukturen durch die Auf- und Abspaltung aus dem Unternehmensverbund vorzunehmen. Komplexe Verflechtungen im Unternehmen wie  etwa Bürgschaften, Patronatserklärungen, bilanzielle Beteiligungsansätze, Leistungsverflechtungen, Beherrschungs-, Gewinnabführungs- und Organschaftsverträge sind Stolpersteine. Darüber hinaus sind Eingriffe in die bestehende Finanzierungsstruktur oder sogar eine völlige Neukonzeption der Finanzierung notwendig.