Gut gerüstet

Angelsächsische Restrukturierungshäuser: Der CRO räumt auf
Eine klare Symbiose von Unternehmensberater und Interimsmanager unter einem Dach stellen angelsächsische Restrukturierungshäuser – wie Alix Partners und Alvarez Marsal – dar, die seit einigen Jahren auch in Deutschland aktiv sind. „Sie entwickeln nicht nur einen Plan, wie das Unternehmen saniert werden kann, sondern stellen auch den sogenannten Chief Restructuring Officer (CRO), der ihn im Krisenunternehmen umsetzt“, erklärt Peter Briggs, Deutschlandchef des US-amerikanischen Restrukturierungshauses Alvarez & Marsal. Der CRO übernimmt ähnlich wie der Interimsmanager für eine gewisse Zeit die Position des Vorstands oder Geschäftsführers und geht damit auch Haftungsrisiken ein. Er muss mit Durchsetzungsfähigkeit und Fingerspitzengefühl alle Beteiligten auf die Turnaround-Strategie einschwören. Das bedeutet auch regelmäßig zu Banken zu gehen und nach neuen Überbrückungskrediten zu fragen. Auftraggeber der angelsächsischen Sanierer sind häufig Banken, PE-Gesellschaften, Hedgefonds oder Distressed Debt-Investoren. „Zunehmend engagieren uns deutsche Firmen direkt“, so Peter Briggs. Der Einsatz dieser Restrukturierungshäuser macht allerdings erst ab einem Unternehmenswert von etwa 100 Mio. Euro Sinn.

Distressed Debt: Der Handel mit faulen Krediten
Ein weiterer Trend der letzten Jahre ist der zunehmende Kredithandel, der Restrukturierungsprozesse schneller und effizienter machen kann. Ein dadurch ausgelöster Eigentümerwechsel setzt operative Kräfte frei, bricht überholte Strukturen auf. „Der Verkauf von Krediten wird in angelsächsichen Ländern seit langem praktiziert, in Deutschland war er bis vor fünf Jahren so gut wie unbekannt. Inzwischen hat sich die Kreditkultur auch hierzulande geändert. Allerdings ist die Bedeutung des Kredithandels noch gering“, sagt Gerd Bieding, Geschäftsführer, Close Brothers GmbH. Das liegt in den häufig unübersichtlichen Kreditstrukturen, einer bunten Mischung aus bilateralen Kreditbeziehungen auf der Passivseite. In England und den USA ist die Passivseite stärker stru
kturiert.

Typischer Ablauf eines Kreditverkaufs
„Banken dürfen Unternehmenskredite grundsätzlich nur dann ohne Zustimmung des Kreditnehmers verkaufen, wenn der Vertrag es explizit erlaubt (Transferklausel) oder es wesentliche Vertragsverletzungen gibt, die berechtigen, den Kredit zu kündigen, bzw. die Forderung bereits gekündigt ist“, so Close Brothers-Geschäftsführer Bieding. In einer wirtschaftlichen Krise ist dies meist der Fall, und die Banken können sich im Rahmen ihrer Risikosteuerung von notleidenden Darlehen trennen, die sie mit einem Abschlag verkaufen. Auf der anderen Seite stehen Investmentbanken, die gezielt nach Krediten bestimmter Unternehmen suchen, sei es für Dritte oder auf eigene Rechnung. Typische Käufer sind Hedgefonds, Private Equity-Häuser und Investmentbanken. Deren Motive sind höchst vielfältig. Der überwiegende Teil erwirbt die Kredite als passives Investment. Dagegen möchten Kontrollkäufer über den Kauf von Krediten die Kontrolle über Unternehmen erlangen und aktiv eingreifen. Die dritte Gruppe sind Störkäufer, die darauf hoffen, sich ihre Zustimmung bei Bedarf teuer abkaufen zu lassen.

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