Anfang 2009 traf die Krise Europa mit voller Wucht. Auftragseingänge und Umsatzerlöse brachen dramatisch ein und erforderten schnelles Krisenmanagement, starken Fokus auf Cash- und Working-Capital-Optimierung, Einsatz von Kurzarbeit u.a. Durch diese Maßnahmen konnten sehr schnell Kapazitäten vorübergehend aus dem Markt genommen und Kosten gesenkt werden, um die unmittelbare Krisensituation zu überbrücken. Doch nur wenige Unternehmen haben die Krise als Chance für eine grundlegende operative und finanzielle Restrukturierung genutzt: um ihr Geschäftsmodell nachhaltig auf den Prüfstand zu stellen, überholte Strukturen über Bord zu werfen, an neue Marktanforderungen anzupassen und sich bei Bedarf strategisch neu zu positionieren.

Ganzheitlicher Restrukturierungsansatz für einen dauerhaften Turnaround
Ein ganzheitlicher Restrukturierungsansatz ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, um einen dauerhaften Turnaround zu erzielen. Aufbauend auf einem kurzfristigen (Liquiditäts-)Krisenmanagement schafft dieser die Grundlage, das Geschäft operativ und finanziell zu restrukturieren und auf die strategischen Ziele auszurichten. Eine finanzielle Restrukturierung zur Überwindung einer akuten Überschuldung/Liquiditätskrise bzw. zur Tilgungsstreckung bestehender Kredite allein verschafft zwar kurzfristig Luft, jedoch verpufft dieser Effekt ohne die gleichzeitige Flankierung umsatzsteigernder und ergebnisverbessernder Maßnahmen. Letztere umfassen einmalige Effekte durch Kostensenkungsprogramme, Kapazitätsbereinigungen, Desinvestitionen sowie stetige Produktivitätsverbesserungen und Effizienzsteigerungen in allen Bereichen (Performance Improvement). Doch wie finanziert ein liquiditätsgefährdetes Unternehmen eine umfassende Restrukturierung angesichts leerer Kassen? Die Schließung bzw. Konsolidierung von Produktionskapazitäten oder Filialen, die Verhandlung von Sozialplänen, die Trennung von margenschwachem Geschäft u.a. erfordern vorab liquide Mittel, bevor sich die positiven Effekte mittelfristig auf die Ergebnissituation auswirken. Zudem gehören oft große Teile des Anlage- und Umlaufvermögens als Sicherheit bereits der Bank, vorhandene Kontokorrent- und Betriebsmittellinien sind ausgeschöpft und Möglichkeiten einer Cashflow-Finanzierung sind wegen der schwachen und instabilen Cashflows in der Regel nicht vorhanden.


Wie finanziert man Restrukturierungen?
Zum einen gilt es – aus eigener Kraft – durch ein effizientes Cash- und Working-Capital-Management schrittweise das Vertrauen der Kreditgeber zurückzugewinnen und die operative Restrukturierung zu finanzieren. Der (Not-)Verkauf von Randaktivitäten, die nicht in die zukünftige Strategie passen, Leasing, Sale-and-Lease-Back und Factoring sind weitere wichtige Bausteine, um Cash zu generieren. Zum anderen spielt die Restrukturierung der Passiva (finanzielle Restrukturierung) eine zentrale Rolle. Die Bereitschaft der Kreditgeber, Sanierungsbeiträge zu leisten, stößt jedoch wegen unterschiedlicher Interessenlagen und bereits erfolgter Forderungsverzichte/Stundungen oft an Grenzen. Debt-to-Equity-Swaps bzw. Debt-to-Mezzanine-Swaps bieten Möglichkeiten, durch Beteiligung der Gläubiger eine Lösung zu finden, um das Unternehmen weiterführen zu können. Dies setzt voraus, dass der Alteigentümer bereit ist, seine Gläubiger am Unternehmen zu beteiligen. Gleichzeitig führt dies zu einer Entschuldung und Reduzierung der Zinsbelastung, und in Folge zu einer Steigerung der Cashflows, die zur Finanzierung der operativen Restrukturierung eingesetzt werden kann. Ein weiteres Engagement der Kreditgeber ist jedoch an einen tragfähigen und umsetzbaren Businessplan geknüpft, bei dem die Kredite zurückgeführt bzw. Verzichte mittels eines Upside-Sharing-Modells kompensiert werden können.

Stabilität und Flexibilität der Kapitalstruktur nötig
Um die Restrukturierung umzusetzen, benötigt das Unternehmen eine robuste und flexible Kapitalstruktur. Für größere Unternehmen kann die Emission einer Anleihe am Kapitalmarkt zusammen mit neuen Betriebsmittellinien als eine Form des Asset-Based-Lending eine interessante Option sein, um eine gute Mischung aus Stabilität und Flexibilität für das aktuelle und zukünftige Geschäft zu erzielen. Kleineren Unternehmen, die sich nicht über die Kapitalmärkte refinanzieren können, kann der Einstieg eines Eigenkapitalinvestors und/oder die Aufnahme von Mezzanine-Kapital maßgeschneiderte Lösungen bieten, die auf das Chancen- und Risikoprofil des Unternehmens abgestimmt sind.

Erfolgsfaktor krisenerfahrenes Management
Für eine erfolgreiche Restrukturierung bedarf es außerdem eines krisenerfahrenen Managements, das die Gesellschaft durch die Umbruchphase führt sowie konsensfähige Lösungen zwischen den Anteilseignern, Banken und Interessengruppen erzielen kann, um einen tragfähigen Restrukturierungsplan zu entwickeln und umzusetzen. Eine Möglichkeit ist der zeitweise Einsatz eines Chief Restructuring Officers (CRO). Durch Fokussierung auf den Restrukturierungsprozess verbessert und beschleunigt der CRO die Umsetzung. Für das Managementteam bedeutet dies eine wichtige Entlastung im Tagesgeschäft und schafft Freiräume, sich intensiver um Kunden, Markt und Lieferanten kümmern zu können, um diese in der Krise zu halten bzw. zurückzugewinnen.