Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise sind fast fünf Jahre vergangen, dennoch ist sie in vielen Teilen Europas noch nicht endgültig überwunden. Vor allem die Sparbemühungen der Staaten zur Sanierung ihrer Haushalte sorgen im südlichen Europa für ein nur geringes oder gar negatives Wirtschaftswachstum. Diese Kluft zwischen arm und reich, zwischen Nord und Süd zeigt sich auch in der von Roland Berger erhobenen Restrukturierungsstudie 2013. Dabei wurden im März und April in Deutschland Vorstände und Geschäftsführer von rund 1.100 Unternehmen befragt. 69% der Unternehmen bezeichneten sich als deutscher Mittelstand.

Düstere Aussichten für Europa
Über die Hälfte der befragten Unternehmen prognostiziert für 2013 eine Stagnation für Europa, weitere 38% erwarten gar eine Rezession. Erst für das Jahr 2015 sieht die Mehrheit wieder ein Wachstum vorher. Entsprechend schlecht schätzen die Unternehmen die Entwicklung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Regionen in der Welt ein. Im Vergleich zu Asien gehen 86% der Befragten von einer Verschlechterung aus, gegenüber Lateinamerika sind es 51% und selbst gegenüber Nord-/Mittelamerika erwarten immerhin noch 44% einen Rückgang gegenüber dem Status quo.


Zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit Europas ist aus Sicht der Unternehmen primär eine Reduzierung der Staatsschulden notwendig. Eine Sanierung der Staatshaushalte schafft die entsprechenden Handlungsspielräume, um seitens der Staaten wieder vermehrt Wachstumsimpulse setzen zu können.

Positive Erwartungen für Deutschland
Für Deutschland zeigt sich im Vergleich zu Europa ein gänzlich anderes Bild. So geht bereits für 2013 die Mehrzahl der Unternehmen (59%) von einem Wachstum aus. In den beiden Folgejahren fällt die positive Einschätzung sogar noch höher aus (2014: 73%, 2015 80%). Entsprechend erwarten 86% der Befragten eine Verbesserung der relativen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gegenüber dem Rest von Europa. Und auch im Vergleich zu den übrigen Regionen der Welt zeigt sich ein deutlich besseres Bild als für Gesamteuropa. So prognostiziert die Mehrzahl der Unternehmen lediglich gegenüber Asien eine Verschlechterung der relativen Wettbewerbsfähigkeit, gegenüber Lateinamerika hingegen erwarten die meisten Befragten eine Verbesserung.

Verantwortlich für die im europäischen Vergleich hohe Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sind nach Einschätzung der Befragten die traditionell wichtigen Themen Infrastruktur, Innovation und Bildung. Dabei ist die hohe relative Wettbewerbsfähigkeit Deutschland gegenüber Europa nicht unkritisch. Zwar fördert der schwache Euro die positive wirtschaftliche Situation Deutschlands, indem Exporte außerhalb der Eurozone begünstigt sind, gleichzeitig sehen die Unternehmen jedoch die Gefahr eines wegbrechenden europäischen Binnenmarktes und des mit einer etwaigen Arbeitslosigkeit einhergehenden Nachfragerückgangs privater Haushalte.

Restrukturierung ist eine dauerhafte Aufgabe
Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten bzw. Veränderungen stellen Herausforderungen für national und international agierende Unternehmen dar, auf die es adäquat zu reagieren gilt. Unter operativen Gesichtspunkten ergeben sich aus dem von den Teilnehmern der Studie überwiegend als unsicher und volatil bewerteten Marktumfeld zunehmende Planungsunsicherheiten. Rund 80% der Befragten reagieren hierauf, indem sie ihre Planungen variabel gestalten und in Szenarien denken.