Nord Holding: „Coronakrise verstärkt Trend zu Qualitätsassets“

Die Nord Holding setzt seit Langem auf Unternehmen mit Potenzial zur Wertsteigerung. Diese Strategie gewinnt in der Coronakrise noch mehr an Bedeutung.
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Die Nord Holding setzt seit Langem auf Unternehmen mit Potenzial zur Wertsteigerung.
Diese Strategie gewinnt in der Coronakrise noch mehr an Bedeutung.
INTERVIEW BÄRBEL BROCKMANN

Unternehmeredition: Die Nord Holding konzentriert sich sowohl auf Direkt- als auch auf Fondsinvestitionen. Besteht da eine Verbindung?
Andreas Bösenberg: Obwohl die beiden Bereiche der Nord Holding mit zwei separaten, fest zugeordneten Investmentteams arbeiten, investieren wir das Kapital unserer Investoren als ein Unternehmen – mit gemeinsamen Werten und einem gemeinsamen Verständnis. Die Bereiche ergänzen sich sehr gut. Durch unsere europaweiten Fondsinvestments bekommen wir ein gutes Gefühl für Investitionstrends, gut laufende Branchen, gut gehende Geschäftsmodelle. Diese Expertise nützt uns, höhere Renditen bei den Fondsinvestitionen zu erzielen, aber sie nützt uns auch bei Direktinvestitionen. Diese gegenseitige Befruchtung sehen wir als Vorteil gegenüber manch anderen Private Equity-(PE-)Häusern.

Unternehmeredition: Was kennzeichnet Ihr Direktgeschäft?
Andreas Bösenberg: Das Direktgeschäft ist anders gelagert als das Fondsgeschäft. Es ist bei uns langfristig strukturiert. Dadurch haben wir einen großen Wettbewerbsvorteil, denn wir haben nicht den Exit-Druck wie bei klassischen PE-Fondsstrukturen. Eine unserer Beteiligungen – wir haben aktuell 15 – halten wir schon 18 Jahre. Manchmal ist es einfach gut, wenn man eine Krise aussitzen kann und nicht verkaufen muss, weil die Fondskriterien es erfordern. Wir merken, dass das bei Unternehmern sehr gut ankommt. Unser Doppelfokus erlaubt uns, ein relativ großer Spieler zu sein. Im Direktgeschäft muss man uns etwa mit einem 500-Mio.-Fonds vergleichen. Fondsinvestments sind das deutlich größere Geschäftsfeld. Insgesamt verwalten wir mehr als 2,5 Mrd. EUR.

Unternehmeredition: Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf das PE-Geschäft? Werden Exits verschoben?
Andreas Bösenberg: Natürlich hat die Krise Auswirkungen auf Exits, weil sie viele Firmen in ihrer Entwicklung zurückwirft. Aber auch noch aus einem anderen Grund werden Exits schwieriger: Selbst wenn man eine Firma anbietet, die unbeschadet durch die Krise gekommen ist, kann man sie unter Umständen nicht über einen Secondary zu verkaufen. Die Märkte sind nicht mehr ganz so aufnahmefähig, denn natürlich muss auch die Fremdkapitalfinanzierung da sein, um solche Unternehmen zu verkaufen. Grundsätzlich gesehen hat die Coronakrise den Trend zu Qualitätsassets verstärkt. Immer mehr PE-Investoren schauen sich jetzt nur noch die guten, stark wachsenden Targets an. Unternehmen aus Branchen wie dem Maschinenbau oder Automotive sind aus dem Blickfeld geraten. Die Investoren halten sie für zu riskant. Stattdessen geht der Trend zu noch mehr Software oder Healthcare und infrastrukturell ähnlichen Assets – sie gelten als krisenfest. Solche Investments bekommt man immer verkauft. Teilweise beobachten wir hier sogar steigende Preise.

Unternehmeredition: Wird das PE-Geschäft bei einem Trend zu noch mehr Qualität bei nach wie vor wenig Angebot nicht schwieriger?
Andreas Bösenberg: Das ist sicherlich so, denn die Liquidität ist nach wie vor hoch. Als Investor hat man in dieser Situation zwei Möglichkeiten. Eine Möglichkeit nenne ich die Trüffelschwein-Methode: Man intensiviert proaktiv die Suche nach Firmen in bestimmten Märkten und Subsektoren, die eine hohe Wertsteigerung versprechen, teilweise unabhängig von der Zyklizität der Konjunktur. Das ist der Weg, den wir bei der Nord Holding gehen. Die andere Möglichkeit: Man nimmt niedrigere Renditen in Kauf. Bei den größeren Fonds, die unter starkem Anlagedruck stehen, kommt das schon vor. Das gibt es schon länger, aber durch Corona wird das noch beschleunigt.


ZUR PERSON

Andreas Bösenberg, Geschäftsführer, NORD Holding Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbH