Mit der Speedfactory zurück nach Deutschland

Der Sportartikelhersteller Adidas hat in Ansbach eine Speedfactory aufgebaut, um besonders schnell auf Kunden zugeschnittene Schuhe zu produzieren. Weitere Fabriken sollen folgen. Kann die Speedfactory ein Vorbild für andere deutsche Produzenten und eine Chance für den Produktionsstandort Deutschland sein?

Kein Arbeitsplatzverlust durch Roboter

Die Errichtung von automatisierten Produktionsstätten in Deutschland kommt dem Trend entgegen, dass die demographische Entwicklung zunehmend zur Knappheit der Ressource Arbeit führt. Einige Experten vertreten die Auffassung, dass in den westlichen Industriestaaten kein Arbeitnehmer davor Angst haben muss, dass er seinen Arbeitsplatz an Roboter verliert. Vielmehr werden Roboter im Wesentlichen nur den Wegfall von Arbeitskräften kompensieren und es älteren Arbeitnehmern ermöglichen, länger zu arbeiten. Mit anderen Worten: Marktnahe Produktion in Ländern wie Deutschland wird überhaupt nur durch Automatisierung möglich sein.


Automatisierung funktioniert in Asien nicht

Automatisierte Fabriken stellen enorme Anforderungen an die Prozesse und Technik auf Vernetzung und Einbettung von Systemen, Datensicherheit, Logistik, Leistungsprofil der Mitarbeiter viele mehr. Dies setzt ein entsprechend entwickeltes Umfeld für die Umsetzung derartiger Projekte voraus, das weltweit nicht überall gegeben ist. Deutsche Technologie ist hingegen führend in der Industrie 4.0. Kurze Wege für Wartung und Erweiterung entsprechender IT-Landschaften spart Kosten und reduziert die Notwendigkeit der Entsendung von IT-Spezialisten, eine ohnehin knappe Ressource.

Digitalisierte, kundenzentrische Produktion basiert auf Daten: Etwa Konstruktions- und Designdaten, die möglicherweise besonders geschützt werden müssen. Aber auch personenbezogene Daten des Kunden sowie solche, die bei der Produktion selbst entstehen, etwa Bewegungs-und Verhaltensprofile des Produktionsmitarbeiters. Zur Vorsorge ist daher ein Höchstmaß an IP-Schutz, IT-Sicherheit und Datenschutz erforderlich. Dies kann in einer Vielzahl von „Billiglohnländern“ nicht gewährleistet werden. Auch weil die zivilrechtliche Frage, wem die Daten gehören, momentan außerhalb von Vertragsverhältnissen nicht belastbar beantwortet werden kann, mag ein Re-shoring mit unmittelbarerer faktischer Kontrolle über Daten praktische Vorzüge haben.

FAZIT

Wann also kann die Rückverlagerung von Produktion nach Europa sinnvoll sein? Das Beispiel der Smartfactory zeigt einige Daumenregeln auf: Die betreffenden Produkte sollten Massenprodukte sein, bei denen in Deutschland und Europa ein Kundenwunsch nach Individualisierung und schneller Verfügbarkeit besteht. Die Produktion sollte sich durch einen hohen Anteil von relativ einfacher manueller Arbeit auszeichnen, die durch einen höheren Grad von Automatisierung ersetzt werden kann. Paradox: Was bis vor kurzem undenkbar war, wird Realität – die Massenproduktion von „Losgröße 1“ made in Germany.


Zu den Personen

Eike Fietz und Dr. Stephan Appt. (© Pinsent Masons)
Eike Fietz und Dr. Stephan Appt. (© Pinsent Masons)

Eike Fietz und Dr. Stephan Appt sind Rechtsanwälte und Partner bei Pinsent Masons in München. Sie arbeiten vornehmlich im Sektor Advanced Manufacturing und beraten Mandanten bei Industrie 4.0-Projekten. Pinsent Masons ist weltweit aktiv und unterhält Büros u.a. in Deutschland und China.

www.pinsentmasons.com