Unsicherheit über politische Entwicklungen, aber auch über die Auswirkungen disruptiver Technologien prägen die Weltwirtschaft. Das macht M&A-Deals derzeit riskant, bietet aber insbesondere dem deutschen Mittelstand einzigartige Chancen.

Entsprechend sind Private-Equity-Investoren mit den Einstiegspreisen unzufrieden. Hinzu kommt, dass PE-Fonds heute immer stärker mit den Family Offices konkurrieren. Die neue Konkurrenz punktet im deutschen Mittelstand mit dem Versprechen als langfristiger Partner, während angelsächsische PE-Investoren meist nach nur drei oder vier Jahren wieder aussteigen. Gleichzeitig wächst die Zahl der Venture-Capital-Einheiten sowie Pensionskassen und Versorgungswerke, die direkt investieren wollen. Trotz drängender Nachfolgefragen wissen viele deutsche Unternehmer in der aktuellen Niedrigzinsphase nicht, wie sie den Verkaufserlös sinnvoll anlegen sollen. Deshalb halten sie sich mit dem Verkauf ihrer Firmen zurück. Transaktionen bis 100 Mio. Euro Transaktionsvolumen – zum größten Teil Familienunternehmen – stellen das am stärksten wachsende Segment dar.

Viele Deals werden sich nicht rechnen

Hunderte von Fonds halten im Moment hohe dreistellige Millionenbeträge für Transaktionen bereit. Damit schließen sie heute Deals ab, von denen sich bei steigenden Zinsen und einer abkühlenden Konjunktur viele nicht mehr rechnen werden. Gemessen an den Kaufpreisen im Verhältnis zu den operativen Jahresergebnissen der übernommenen Firmen bewegen sich die Bewertungen heute auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren: Unternehmen in begehrten Branchen wie z.B. Robotik oder KI sind Finanzinvestoren mehr als das Zehnfache des jährlichen EBIT wert. Gerade bei Unternehmen, die zum dritten oder vierten Mal von einem Finanzinvestor an den nächsten weitergereicht werden, wächst die Gefahr von Fehlschlägen.

Gleichung mit vielen Unbekannten

Trotz erheblicher politischer Unwägbarkeiten bleibt der M&A-Markt hochdynamisch. Die stark kompetitive Wettbewerbssituation zwischen den potenziellen Investoren hat kontinuierlich steigende Bewertungsniveaus zur Folge. Der turbulente Übernahmeversuch beim Arzneimittelhersteller Stada zeigt, wie die Private-Equity-Häuser Bain und Cinven in einem Bietergefecht den Preis um ein lukratives Unternehmen hochgetrieben haben. Die Zeiten sind weiterhin unruhig. Auch in der zweiten Jahreshälfte 2017 werden M&A-Deals eine Gleichung mit vielen Unbekannten bleiben.


Zur Person:

B2 Prof. Dr. Philipp Haberstock neuProf. Dr. Philipp Haberstock ist Professor für Strategisches Management und Finance an der International School of Management (ISM) in Hamburg und Partner der Steinbeis Consulting Mergers & Acquisitions GmbH. Seine Schwerpunkte sind Investmentbanking, Strategieberatung und Unternehmensentwicklung.

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